Kusch bekannte sich am Montag auf einer Pressekonferenz in Hamburg selbst zu seiner Tat. Der frühere CDU-Politiker war im Streit aus dem einstigen CDU-Senat in der Hansestadt ausgeschieden und aus der Partei ausgetreten. Er macht sich seitdem, auch mit einer eigenen Partei, für Sterbehilfe stark. Er hatte dazu im März eine umstrittene "Selbsttötungsmaschine" vorgestellt – als Alternative zum Schweizer Sterbehilfe-Verein Dignitas.

Diese Maschine habe er aber nach Abwägung der Risiken nicht zum Einsatz gebracht, sagte Kusch. Die Rentnerin, die nicht schwer krank gewesen sei, aber Angst vor einem Leben in einem Pflegeheim gehabt habe, sei am vergangenen Samstag gestorben. Sie habe ein Malaria-Medikament und ein Beruhigungsmittel eingenommen. Um den freien Willen der Frau für den "begleiteten Suizid" zu demonstrieren, zeigte Kusch auf Video aufgezeichnete Interviews mit der früheren Röntgenassistentin.

Es "ist eines freien, modernen, aufgeklärten Landes unwürdig, seine besonders hilfsbedürftigen, bemitleidenswerten Menschen am Ende ihres Lebens zum Sterben nach Zürich zu schicken", begründete Kusch seine Aktion. Er habe nach Abwägung der Rechtslage "Worten auch Taten folgen lassen".

In Deutschland ist aktive Sterbehilfe verboten. Manche Sterbewillige fahren deshalb in die Schweiz, um sich etwa beim Verein Dignitas beim Sterben helfen zu lassen. Aus diesem rechtlichen Grund hatte Kusch Ende März seine Apparatur vorgestellt, die nach dem Muster der in den USA umstrittenen Giftspritze funktioniert und es dem Patienten ermöglicht, den Auslöser selbst zu betätigen.

Die Würzburger Staatsanwaltschaft nahm nach dem Bekenntnis von Kusch Ermittlungen auf. In dem Verfahren sollten die Umstände des Todes der 79-Jährigen geklärt werden, sagte Oberstaatsanwalt Erik Ohlenschlager. Es solle festgestellt werden, ob es sich um einen eigenverantwortlichen Selbstmord gehandelt habe, ob andere Menschen daran beteiligt gewesen seien und ob strafrechtliches Handeln vorliege.

Die Deutsche Hospizstiftung warf Kusch vor, er sei ein "politischer Amokläufer", der "scheinbar aus tiefstem Narzissmus die Angst der Menschen vor Pflege missbraucht, nur um öffentliche Aufmerksamkeit auf seine eigene Person zu lenken". Ginge es ihm um eine Auseinandersetzung um Würde am Lebensende, müsste Kusch auf die Lebensbedingungen alter Menschen eingehen, sagte Stiftungsgeschäftsführer Eugen Brysch. "Laut unserer Verfassung gibt es ein Recht auf Leben und es gibt ein Recht auf Sterben. Es gibt aber kein Recht auf Töten."