Nach ihrer Befreiung aus mehr als sechs Jahren Geiselhaft in der Gewalt der Farc dankte Ingrid Betancourt vor allem Gott und der Gottesmutter Maria. "So viel habe ich zu ihr gebetet", sagte sie. An zweiter Stelle galt ihr Dank allen, die während ihrer Gefangenschaft an sie dachten und "im Herzen trugen". Dann dankte Betancourt der kolumbianischen Armee für ihre "perfekte, makellose" Befreiungsaktion.

Sie und 14 weitere Geiseln wurden offenbar mit einem grandiosen Trick befreit, nahezu ohne Gewalt. Kolumbianischen Medien zufolge hatten die Militärs die Geheimaktion "Schach" getauft. Nach ihrem glücklichen Ausgang spekuliert die Tageszeitung El Heraldo über die Frage, ob nun das "Schach matt" nahe sei. Gemeint ist das Ende der Farc.

Wie der kolumbianische Verteidigungsminister Juan Manuel Santos erklärte, hatten Armeeangehörige die "obersten Zirkel" der Farc sowie jene Gruppen, in deren Gewalt sich die Geiseln befanden, infiltriert. "Wir überzeugten sie, dass sie mit ihresgleichen sprachen", sagte Armeegeneral Manuel Montoya der kolumbianischen Zeitung El Espectador zufolge.

Unter Bezug auf ein offenbar Samstag im Le Figaro Magazine erscheinendes Interview mit einem kolumbianischen Armeeangehörigen berichtet Le Figaro, vor ungefähr vier Monaten habe man die Geiseln mit Hilfe von Ortungstechniken und Hinweisen der Agenten entdeckt. An dieser Phase der Operation seien etwa 200 Soldaten beteiligt gewesen. Einige von ihnen seien dem Geisellager sehr nah gekommen und hätten dabei auch Geiseln gesehen. Um das Leben der Gefangenen nicht zu gefährden, habe man damals jedoch keine Versuche unternommen, sie aus dem Lager zu holen.

Am Tag der Befreiung kamen dann Soldaten und Angehörige des Geheimdienstes, die sich als Sympathisanten der Rebellen ausgaben, in einem weißen Helikopter in Ingrid Betancourts Gefangenenlager, das in einem Waldstück im Verwaltungsbezirk Guaviare im Südwesten des Landes lag. Sie gaben einen Auftrag vor, demzufolge sie die Geiseln zu Rebellenchef Alfonso Cano bringen sollten, berichtet die Neue Züricher Zeitung . Kolumbianische Medien zitierten General Montoya, der angab, man hätte den Besuch einer internationalen Delegation vorgetäuscht.

"Heute morgen um vier Uhr, als ich aufstand, habe ich einen Rosenkranz gebetet und mich Gott empfohlen", resümierte eine blasse, aber über das ganze Gesicht strahlende Ingrid Betancourt auf dem Luftwaffenstützpunkt in Bogotá den Tag ihrer Befreiung. "Um fünf Uhr hörte ich meine Mutter im Radio, die auf dem Weg nach Frankreich war. Meine Tochter, die sagte, sie würde nach China reisen, und meinen Ex-Mann, den Vater meiner Kinder, den ich sehr verehre, Fabrice, der sagte, ein Foto von mir sei auf einem Gipfel des Montblanc, in Frankreich. Und plötzlich dachte ich, gut, vielleicht bedeutet das alles für mich nichts." Sie dankte den kolumbianischen Radiosendern, über die sie in der Zeit ihrer Geiselhaft Nachrichten von ihren Angehörigen erreichten. "Wir konnten träumen und unsere Hoffnung am Leben erhalten, weil wir die Unsrigen hörten, während sieben Jahren, meine Mutter, meine Kinder, alle, die ich liebe."