Bremen bebt. Zwischen Weserstadion und Wilhelm-Kaisen-Brücke ziehen sich Bühnen, Buden und Kunstaktionen auf den Osterdeichwiesen entlang, es ist Breminale. Aus großen Zirkuszelten schallt Musik, der Eintritt ist überall frei. Gegenüber des Spektakels liegt die bewaldete Werderinsel. Eine Fußgängerfähre bringt die Menschen dorthin. Sie liegen am Strand in der Sonne oder genießen ein kühles Getränk im Café Sand.

Am Ende des Festivals flussabwärts liegt die Treue vor Anker, ein altes Schiff aus Beton. Über den Kahn spannt sich ein großes Zelt. Auf Deck befindet sich eine kleine Bar, hinten links musiziert schon die Rockband Holz. Es gibt Pljeskavica vom Grill, für drei Euro mit Brot und Salat. Gleich übernehmen drei Damen das Ruder der Treue: Unter Deck spielen heute Lydia Daher, Bernadette La Hengst und Gustav. Sie erklären uns die Welt, und sie tun das bei aller Launenhaftigkeit sehr charmant.

Soeben wird noch der Klang getestet. Die Wienerin Gustav jagt harte elektronische Rhythmen durch die Lautsprecher und ist unzufrieden. Das sei nicht druckvoll, beschwert sie sich, "oben hört man nichts, und unten schiebt es auch nicht." Dann legt die Lyrikerin Lydia Daher los, sie begleitet sich selbst auf der Gitarre. Der Rechner steuert hier einen Rhythmus bei und dort einen Tastenklang. Musikalisch ist das wenig aufregend, ihr geht es um die Texte. Sie sei überhaupt keine Musikerin, sagt sie. Die Lieder seien nur eine gute Verpackung für jede Art von Text.

Wortgewandt berichtet sie vom Picknicken im U-Bahn-Schacht, von der Gewöhnlichkeit und immer wieder von der Liebe. "Lass uns auf dem Boden bleiben und gemeinsam Haare aus dem Teppich reiben", singt sie und stockt. Die meisten verstünden das als sexuelle Anspielung, dabei sei es wörtlich gemeint. In der DDR, habe ihr jemand erzählt, sei es eine Art Wettbewerb gewesen, Wollmäuse aus Pullovern zu pfriemeln. Nur wer am Jahresende dicke Knäule im Sammelalbum gehabt habe, sei sozial anerkannt gewesen. Immer wieder unterbricht sie ihre Lieder, um einzelne Strophen zu erklären und derart abzuschweifen.