Peking erwartet für Olympia einen nie dagewesenen Ansturm von 25.000 Journalisten aus der ganzen Welt. Genau einen Monat vor Beginn der Spiele eröffnete am Dienstag das Pekinger Organisationskomitee BOCOG feierlich die olympischen Pressezentren, die unmittelbar neben den wichtigsten Wettkampfstätten im Pekinger Olympia-Park liegen. Die Organisatoren beteuerten vor dem Hintergrund anhaltender Kritik, dass der freien Berichterstattung während der Spiele keine Grenzen gesetzt seien.

BOCOG dementierte Angaben, wonach während der Spiele keine Live-Berichte vom Platz des Himmlischen Friedens im Zentrum Pekings (Tian'anmen) erlaubt sein würden. "Sie können live auf den Straßen Pekings berichten und auch vom Tian'anmen-Platz", erklärte Pekings Olympia-Pressechef Sun Weijia vor Journalisten, die als erste Medienvertreter am Dienstag das Zentrum besuchten.

Der Funktionär wiederholte die 2007 neu eingeführten Regeln für ausländische Journalisten, die allerdings nur vorläufig bis nach den Spielen gelten. Demnach darf jede Person interviewt werden, die sich dazu bereiterklärt. Zudem versprach BOCOG "vollständigen Zugang" zum Internet, das in China normalerweise zensiert wird.

Das Hauptpressezentrum für die 5600 akkreditieren Journalisten sei das größte der Geschichte und vermutlich eine der wichtigsten Olympia-Stätten, sagte Hein Verbrüggen, der Koordinator des Internationalen Olympischen Komitees (IOC) für das Sportereignis. "Von hier werden die Geschichten der Olympischen Spiele 2008 erzählt." Das Medieninteresse sei "ohne Beispiel".

Dennoch: Am Montag war China wegen der fehlenden Pressefreiheit im Land kritisiert worden. Menschenrechtler und Journalisten bemängelten, dass China seine Versprechen in dieser Hinsicht immer noch nicht eingelöst habe. In einigen Bereichen hätten sich die Arbeitsbedingungen für in- und ausländische Journalisten sogar verschlechtert, erklärte die internationale Menschenrechtsgruppe Human Rights Watch (HRW). Vor allem sei seit den Unruhen im März eine uneingeschränkte Berichterstattung aus Tibet und tibetischen Regionen noch weniger möglich als früher.

"Das Ergebnis ist, dass in einer Zeit, in der die Freiheit der Recherche für ausländische Journalisten in China eigentlich ihren absoluten Höhepunkt erreichen sollte, die Korrespondenten auf große Schwierigkeiten stoßen", erklärt die Organisation in dem 71-seitigen Bericht mit dem Titel "Chinas verbotene Zonen". "Verbotene Zonen" sind demnach geografische Regionen oder Themen, die von der Regierung als "sensibel" angesehen werden. Dazu gehörten Interviews mit bekannten Regimekritikern sowie Berichterstattung über Proteste oder die schwierige Lage von Klageführern, die sich in der Hauptstadt Peking über örtliche Missstände beschweren wollen.