Auf Anhieb könnte man denken: Na und? Jeder soll leben, wie er will. Manche heiraten gar nicht und verbringen trotzdem das halbe Leben glücklich miteinander. Andere heiraten auf dem Standesamt und halten nicht viel von der Kirche.

Warum sollte es also nicht eine dritte Fraktion geben, die die bürokratische Legitimation nicht braucht, keine "Zugewinngemeinschaft", keinen Unterhalt und keine Steuererleichterungen will - aber das christliche Ritual schätzt? Um ihre Liebe öffentlich und vor Gott zu bezeugen und den Segen der Kirche zu erhalten. Diese Möglichkeit soll es ab Januar 2009 geben. Bisher galt es als Ordnungswidrigkeit, ohne Standesamt in der Kirche zu heiraten.

Doch eine Ehe vor dem Altar ist ohne rechtlichen Vertrag widersinnig und überflüssig. Denn die Ehe ist ein Versprechen, füreinander zu sorgen. "Sich trauen zu lassen" führt zurück auf die Treue (nicht nur die sexuelle) und aufs Vertrauen. In jeder Hinsicht. So zu tun, als könnte man sich in diesem Versprechen auf moralische Unterstützung beschränken und auf den gemeinsamen Glauben an Gott, ist scheinheilig.

Wer eine Ehe vor dem Altar schließt und daraufhin für die Kinder sorgt, krank oder arbeitslos wird, vertraut darauf, dass der Partner auch finanziell für ihn oder sie einsteht. Auch nach einer Trennung, sollte der, der für das Paar oder die Familie beruflich zurückgesteckt hat, Anspruch auf Unterhalt haben. Dazu war die Ehe schon immer da, auch vor Bismarcks Kulturkampf-Gesetz, als sie nur vor dem Priester geschlossen wurde.

Wer eine so enge und verpflichtende Bindung nicht will, muss ja längst nicht mehr heiraten. Er soll sich ein schönes Ritual für das Zusammenleben schaffen, vielleicht auch mit einem Priester. Doch sollte man das Ritual nicht Trauung und das Zusammenleben nicht Ehe nennen. Denn das täuschte falsche Tatsachen vor.

Nun kann man wiederum argumentieren: Selbst schuld, wer sich darauf einlässt. Die mündige Hausfrau oder der in die Elternzeit aufbrechende Vater kann doch einfach "nein" sagen und auf die rechtliche Absicherung bestehen, wenn der jeweilige Partner ein rein kirchliches Ja-Wort verlangt. Meistens wird es so sein. Manchmal aber nicht. Für manche ist die Ehe ohne rechtlichen Vertrag nicht nur widersinnig, sondern auch gefährlich.