Kirchliche Trauung und standesamtliche Eheschließung gehören endgültig getrennt. So hat es der Bundestag jüngst beschlossen; vom 1. Januar an gilt ein entsprechendes Gesetz. Von diesem Tag an muss niemand mehr zunächst zum Standesamt, wenn er kirchlich heiraten will; und Priester oder Pfarrer dürfen ein Paar trauen, auch wenn es keinen amtlichen Eheschein besitzt.

Viel mehr sollte nicht zu sagen sein. Doch hat, seit die Süddeutsche Zeitung in der vergangenen Woche diese neue Regelung öffentlich bekannt machte, eine gewaltige Gegenbewegung eingesetzt, die nach der Sommerpause sogar im Koalitionskrach gipfeln könnte.

Man muss sich die Argumente vergegenwärtigen, um zu begreifen, welche Vorstellung von Gesellschaft und ihrer Ordnung die Gegner des Gesetzes antreiben. Da sagt, pars pro toto, der innenpolitische Sprecher der SPD-Bundestagsfraktion, Dieter Wiefelspütz: "Nach deutschem Recht sind Vielehen verboten, und wir können kein Gesetz in Kraft setzen, das es möglich macht, in 24 Kirchen 24 Partner zu heiraten, ohne dass der Staat einschreitet."

Man möchte laut auflachen. Wie, denkt Herr Wiefelspütz, leben Menschen heutzutage eigentlich Partnerschaft? Wenn zwei sich finden und zusammenleben wollen, heiraten sie. Oder sie tun es nicht: Die Zahl der nichtehelichen Lebensgemeinschaften beweist es.

Die Frage muss also lauten: Was gewinne ich durch die Ehe?

Die Antwort des Staates: sozialen Schutz, verankert in Artikel 6 des Grundgesetzes, ausgedrückt in verschiedenen Privilegien, unter anderem steuerlichen. Dafür braucht es keinen Gang zum Altar, lediglich zwei Unterschriften auf einem standesamtlichen Formular und einige Stempel.