Damit strafft die Zentralbank erstmals seit einem Jahr wieder ihre Geldpolitik. Der Zinsschritt war von den meisten Marktteilnehmern erwartet worden, nachdem EZB-Präsident Jean-Claude Trichet dies mehrfach signalisiert hatte. Nur über die Höhe des Zinsschritts hatten die Experten noch gerätselt. Nun steigt der Leitzins von 4 auf 4,25 Prozent.

Im Vorfeld hatten Gewerkschaften und Politiker eine mögliche Zinserhöhung kritisiert. Bundesfinanzminister Peer Steinbrück (SPD) hatte ebenso wie der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) mehrfach vor den negativen Folgen einer Zinserhöhung gewarnt. Ein solcher Schritt werde die Konjunktur abwürgen. Auch der französische Präsident Nicolas Sarkozy mahnte die EZB im Vorfeld der Entscheidung zur Zurückhaltung und zum Blick auf das Wirtschaftswachstum.

Die EZB steht derzeit vor einer schwierigen Aufgabe. Einerseits sorgt sie sich um die anhaltend hohe Inflation im Euro-Raum. Diese hatte im Juni wegen hoher Öl- und Nahrungsmittelpreise mit vier Prozent den höchsten Stand seit Einführung des Euros am 1. Januar 1999 erreicht. Die EZB sieht Preisstabilität bei Raten knapp unter zwei Prozent gewahrt. Höhere Zinsen helfen im Kampf gegen die Inflation, weil Kredite teurer werden.

Andererseits bremsen sie aber auch die Wirtschaft, weil Unternehmen und Private nicht mehr so leicht an Kredite kommen wie vorher. Einige Ökonomen halten dies in der jetzigen Situation für problematisch, da sich die Weltkonjunktur angesichts explodierender Ölpreise und einer sich fortsetzenden Finanzkrise abkühlt. Auch in Deutschland hatten Experten wie der Sachverständige Peter Bofinger für eine Zinssenkung plädiert.

Am Nachmittag wird die EZB auf einer Pressekonferenz ihr Vorgehen erläutern. Marktteilnehmer erhoffen sich hiervon vor allem weitere Informationen über den künftigen geldpolitischen Kurs der Zentralbank.