Jean-Claude Trichet hat die Sache durchgezogen. Trotz kritischer Stimmen aus Politik und Wirtschaft erhöhte die Europäische Zentralbank (EZB) ihren Leitzins um 25 Basispunkte auf 4,25 Prozent. Die 320 Millionen Bürger der Euro-Zone werden die Folgen der Entscheidung zu spüren bekommen: Kredite der Banken werden teurer, die Unternehmen werden mehr bezahlen müssen, wenn sie Investitionen finanzieren wollen. Höhere Zinsen bremsen das Wirtschaftswachstum, dieser ökonomische Zusammenhang gilt und daran gibt es nichts zu beschönigen.

Dennoch ist die Entscheidung vertretbar. Denn die EZB nimmt eine Abschwächung der Konjunktur in Kauf, um mögliche drastischere Einbußen in Zukunft zu verhindern. Dieser Schritt ist legitim, weil die gestrige Zinserhöhung nur moderat ausfällt, für sich genommen das Wachstum nur wenig bremsen wird. Entscheidend ist, dass die EZB jetzt nicht eine ganze Serie von Zinserhöhungen startet - und Trichet hat deutlich gemacht, dass die Währungshüter dies derzeit nicht beabsichtigen.

Der Schritt ist auch legitim, weil durchaus die Gefahr besteht, dass die Inflation noch weiter steigt, wenn die Zentralbank untätig bleibt. Es stimmt, dass sich die Konjunktur abschwächt und damit die Gefahr sinkt, dass eine sich selbst verstärkende Spirale aus steigenden Preisen und steigenden Löhnen in Gang kommt. Aber es ist auch klar, dass es erste Anzeichen dafür gibt, dass sich die Wirtschaft auf eine höhere Inflation einstellt. Und das muss die Zentralbank verhindern, denn wenn sich die Erwartung immer schneller steigender Preise erst einmal festsetzt, kann die Inflation schnell außer Kontrolle geraten.

Natürlich gäbe es auch andere Methoden, um ein solches Szenario zu verhindern. Zentralbanker, Unternehmen und Gewerkschaften könnten einen Pakt schließen, dass sie auf übermäßige Lohn- und Preissteigerung verzichten. Doch in der Praxis ist das, zumal in einer Währungsunion, schwer durchsetzbar. Deshalb musste dieser behutsame Zinsschritt jetzt sein. Es ist ein Preis, der bezahlt werden muss, um die Inflation zu kontrollieren.