UN-Generalsekretär Ban Ki Moon ist kein Mann der großen Rede. Als der Koreaner am Dienstag im Foyer des Berliner Kanzleramtes nach dem etwa einstündigen Gespräch mit Bundeskanzlerin Angela Merkel ein paar Worte an die versammelten Journalisten richten soll, klammert er sich mit beiden Händen am Rednerpult fest. Wie stets hält der den Kopf zwischen die hochgezogenen Schultern geklemmt und wirkt so ein wenig wie eine Schildkröte, die sich in ihren Panzer verkriechen möchte.

Er wolle mehr Sekretär als General sein, hatte der Koreaner angekündigt, als er im Januar 2007 sein Amt antrat. Bisher ist er dieser Maxime weitgehend treu geblieben. Und trotzdem, ein Mann der sich das Heft leicht aus der Hand nehmen ließe, ist er nicht. Das lässt sich selbst bei seinem kurzen Auftritt im Kanzleramt beobachten.

Nachdem Merkel und Ban Ki Moon einen kurzen Überblick über das Potpourri ihrer Themen gegeben und Nettigkeiten ausgetauscht haben – Merkel lobt Ban Ki Moons Hartnäckigkeit in den Verhandlungen mit den Generälen von Myanmar, Ban Ki Moon dankt für das deutsche Engagement in Afghanistan – kommt es zu einer etwas peinlichen Szene.

Eine Journalistin fragt Merkel, wieso sie denn nicht bereit sei, wegfallende Subventionen für die EU-Landwirtschaft in Entwicklungshilfe umzuwandeln und was denn der Generalsekretär davon halte, der doch eine Lösung der Nahrungsmittelkrise zu seinen wichtigsten Anliegen zähle. Merkel antwortet, doch Ban Ki Moon fällt zunächst außer "ähm, ähm" zu dem Thema nichts ein. Merkel will ihm aus der Verlegenheit helfen. "Ich glaube, dem Generalsekretär ist es ganz egal, woher er das Geld bekommt, solange er es nur bekommt", interpretiert sie sein Schweigen. Das aber geht Ban Ki Moon dann doch zu weit. Er hoffe durchaus auf Merkels Unterstützung, sagt er. Das ist zwar vage; nimmt die Kanzlerin aber dennoch in die Pflicht.

Denn auch wenn Ban Ki Moon kein mitreißender Redner ist und wohl nur wenige Chancen hat, wie sein Vorgänger Kofi Annan zum Weltgewissen aufzusteigen, so sollte doch niemand übersehen, dass sich hinter seiner unauffälligen Art ein starker Wille verbirgt. Seine stille Diplomatie gilt als durchaus erfolgreich. So hat er bewirkt, dass ins sturmgeschädigte Birma nun Helfer einreisen und in der Darfur-Krise hat er das Regime in Khartum zu Zugeständnissen bewegt.

Dieses zähe Verhandlungsgeschick dürfte der deutschen Kanzlerin nicht nur bekannt vorkommen, es könnte ihr auch sympathischer sein, als die große Geste eines Kofi Annan, die nicht selten dazu herhalten musste, die eigene Machtlosigkeit zu bemänteln. Vielleicht darf man ihr deswegen auch durchaus abnehmen, dass es nicht nur eine Höflichkeitsfloskel ist, wenn sie während ihres Statements mehrfach betont, wie gut die Zusammenarbeit mit dem Generalsekretär ist. Ob Libanon, Nahost, Darfur oder Simbabwe, Ban Ki Moon habe in Zusammenhang mit allen diesen Krisenherden stets sehr viele Gespräche geführt und dadurch Fortschritte möglich gemacht, lobt sie.