Als Heiner Bartel in seinem Büro sitzt und auf einmal Schwierigkeiten hat, E-Mails und Geschäftsbriefe zu formulieren, denkt er noch, er sei bloß überarbeitet. Doch dann will er im Restaurant die Rechnung plötzlich zweimal bezahlen. Nach einem Gespräch mit Freunden kann er sich an kein Wort erinnern. An Weihnachten lässt er eine Tüte mit Geschenken im Auto liegen, ohne sie je zu vermissen.

Da bekommt er das komische Gefühl, mit seinem Kopf stimme irgendetwas nicht. Aber das kann doch nicht sein, oder?

Doch, kann es. Umfangreiche psychologische und medizinische Untersuchungen bringen Klarheit: Heiner Bartel, Geschäftsführer eines deutsch-polnischen Logistik-Unternehmens, hat die Alzheimer-Krankheit. So wie schätzungsweise 1,2 Millionen Bundesbürger, die an dieser oder einer ähnlichen Form der Demenz leiden.

Als der deutsche Psychiater Alois Alzheimer Anfang des 20. Jahrhunderts eine neue Form der Hirnkrankheit entdeckte, erregte er wenig Aufsehen. Zu selten, zu ungewöhnlich schien dieses Leiden zu sein, bei dem sich langsam das Gehirn des Erkrankten auflöst. Damals starben die Leute oft vor ihrem 50. Geburtstag, zu früh, um die Alzheimer-Krankheit zu bekommen, die junge Menschen nur in Ausnahmefällen trifft.

Heute, 100 Jahre später, liegt die Lebenserwartung bei rund 80 Jahren und Morbus Alzheimer entwickelt sich zur neuen Volkskrankheit. Der Fußball-Bundestrainer Helmut Schön, der Geiger Helmut Zacharias, der SPD-Politiker Herbert Wehner, der Boxer Bubi Scholz, sie alle starben an Alzheimer. Bei ihnen allen begann die Krankheit genauso wie bei Heiner Bartel: mit seltsamen Gedächtnislücken und Orientierungsschwierigkeiten.

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