Werner Bischoff fühlt sich dieser Tage manchmal machtlos. Seit dem Wochenende weiß der Aufsichtsrat von Continental und Vorstand der Industriegewerkschaft Bergbau, Chemie, Energie, dass der Wälzlagerhersteller Schaeffler einen Großeinstieg beim ungleich größeren Rivalen Continental plant.  Doch was das bedeutet, darüber durfte der Gewerkschafter lange rätseln: Droht nun eine Zerschlagung des Unternehmens? Was wird dann aus den Conti-Standorten? Wird die Reifensparte abgestoßen? Müssen Mitarbeiter gehen? "Es ist so wie oft bei Übernahmen. Es werden im Dunkeln die Anteile eingesammelt. Wir kriegen es erst mit, wenn es passiert ist", schimpft Bischoff.

Nun lichtet sich der Nebel, wenn auch nur ein wenig. Wie die fränkische Schaeffler-Gruppe am Dienstag mitteilte, strebt sie eine Beteilung von mehr als 30 Prozent bei Conti an, aber nicht "notwendigerweise" eine Mehrheit. Derzeit verfüge man über rund drei Prozent der Aktien, halte Optionen auf weitere fünf und habe sogenannte Cash-Swaps abgeschlossen, die zum Kauf von weiteren 28 Prozent berechtigen. Käme es zu dem Geschäft, hielte Schaeffler insgesamt 36 Prozent an dem Dax-Konzern. Zugleich versicherte Schaeffler-Chef Jürgen Geißinger, es werde keine Zerschlagung von Conti und keinen Verlust von Arbeitsplätzen geben. Das Unternehmen solle auch künftig an der Börse notiert sein.

Das soll beruhigend klingen. In Wahrheit aber ist die Strategie von Schaeffler weiterhin äußerst unklar. Zwar ließ das Unternehmen am Nachmittag via Wirtschaftswoche durchsickern, man strebe lediglich eine Minderheitsbeteiligung bei Continental an. Das aber halten die meisten Experten für ausgeschlossen. Georg Stürzer, Analyst bei der HypoVereinsbank, sagt: "Das macht strategisch keinen Sinn." Beide Unternehmen könnten im Fall einer Minderheitsbeteiligung kaum Synergien nutzen. Christian Müller von der Global Insight vermutet gar, die Nachricht habe nur dazu gedient, den "Aktienkurs von Conti wieder zu drücken". Dieser war zuletzt nach den Übernahme-Gerüchten deutlich gestiegen. Derzeit will Schaeffler 69,37 Euro pro Aktie bieten.

Offiziell ist nun, dass Schaeffler mit einem Trick versucht, die Macht bei Conti zu übernehmen. Still und heimlich haben der Chef der Unternehmensgruppe, Jürgen Geißinger, und die Patronin und Haupteignerin Maria-Elisabeth Schaeffler den Einstieg bei Conti vorbereitet. Wie mehrere Medien berichteten, hat sich das Familienunternehmen über mehrere Banken – darunter die Royal Bank of Scotland und die Deutsche Bank - die Anteile gesichert. Erst am vergangenen Freitag habe Schaeffler dann das Gespräch mit der Contintental-Spitze gesucht. Durch die "Hintertür" hätten sich die Franken eingeschlichen, zitiert das Handelsblatt einen Insider.

Ob es sich hierbei wirklich um eine Übernahme "nach allen Regeln der Kunst" handelt, wie an diesem Dienstag einige Blätter schreiben, ist jedoch noch nicht ausgemacht. Denn nach Ansicht von Juristen könnte Schaeffler mit seiner Strategie die Grenzen des Rechts übertreten haben. Das Wertpapierhandelsgesetz schreibt vor, dass Aktionäre mitteilen müssen, wenn ihr Anteil an einem Unternehmen die Schwellen von drei, fünf, zehn oder 25 Prozent des Aktienkapitals überschreitet. Zudem muss ein Aktionär ein Übernahmeangebot abgeben, sobald er mehr als 30 Prozent der Anteile hält. So will es das Wertpapierübernahmegesetz.