Die Vereinten Nationen umfassen heute 192 Mitgliedstaaten. Und auch Staaten geht es nicht viel anders als uns Menschen aus Fleisch und Blut: Man kann zu 192 zwar gemeinsam singen, aber kaum handeln, solange nicht eine Gruppe die Führung übernimmt und gemeinsame Institutionen und Regelwerke vorhanden sind.

Die amerikanischen Neocons hielten diese Einsicht für schlichten Quatsch von gestern und vertrauten lieber auf die alleinige Stärke Amerikas. Man nannte das Unilateralismus, und dieser erwies sich nicht gerade als Erfolgsmodell, sondern als außerordentlich wirksame Methode der Selbstschwächung.

Die Lektion daraus lautet, dass selbst die mit weitem Abstand größte Macht der Geschichte, die USA, auf sich allein gestellt zu schwach ist und über keine ausreichende internationale Legitimation verfügt, um die Krisen und Konflikte dieser 192 Staaten auch nur managen zu können, geschweige denn zu lösen. Diese Erfahrung bewog George W. Bush wieder zu einer Politik der internationalen Zusammenarbeit, die man auch als Multilateralismus bezeichnet.

Gibt es im Zeitalter der Globalisierung überhaupt noch ernstzunehmende Alternativen zum Multilateralismus? Nein. Kann ein solcher Multilateralismus funktionieren, ohne eine von allen akzeptierte Führung, ohne Regeln und handlungsfähige Institutionen? Ebenfalls nein. Genau darin aber besteht das gegenwärtige Dilemma einer nur in Bruchstücken vorhandenen Ordnung der Welt. Die Einsicht in die Alternativlosigkeit des Multilateralismus ist gewachsen, die Fähigkeit multilateral zu handeln hat jedoch entschieden abgenommen.

Das jüngste Treffen der G-8-Staaten in Japan – also der sieben wichtigsten und reichsten westlichen Industriestaaten plus Russland -  hat diese Krise des multilateralen Systems gnadenlos offengelegt. Umgeben von einem monströsen medialen Gipfelzirkus haben sich die G 8 entschieden, nichts zu entscheiden!

Die Tage, in denen der Westen die Geschicke der Welt exklusiv unter sich ausmachen konnte, sie sind wohl endgültig vorüber. Das scheinen sogar die Staats- und Regierungschefs der G 8 bemerkt zu haben. 

Die G 8 haben dabei dasselbe Problem wie der UN-Sicherheitsrat. Sie spiegeln nicht mehr die ökonomischen und machtpolitischen Realitäten der heutigen Welt wieder, sondern die Machtverteilung vergangener Zeiten. Italien und Kanada gehören zu diesem Club, während China, Indien, Brasilien und Mexiko draußen vor der Tür stehen. Was will, ja was kann man da noch entscheiden? Es ist also kein Wunder, dass man diese Treffen vor allem noch im alten Europa Ernst nimmt, wo man wenigstens für das heimische Publikum noch Weltmacht spielen kann. Das war es dann aber auch schon.