Die G 8 sind bedeutungslos geworden, weil sie kaum noch zur Steuerung der Weltwirtschaft und Weltpolitik beitragen können. Dazu fehlen der Staatengruppe mittlerweile schlicht die Fähigkeiten und der politische Wille. Die letzten Gipfel in Deutschland und Japan haben lediglich Versprechungen im billigen Dutzend abgesondert. Wenn es allerdings Ernst wurde, etwa beim Klimaschutz und bei der Entwicklungshilfe, dann zeigte sich, welch geringen Wert die Versprechungen der G 8 noch haben. An die harten weltwirtschaftlichen Themen traue sich die Runde schon seit Längerem nicht mehr heran.

Die Lage ist eigentlich schizophren: Einerseits gibt es eine Vielzahl globaler Probleme, die einer entschlossenen Führung durch die wichtigsten Staaten der Welt bedürften: hohe Energie- und Lebensmittelpreise, Unterentwicklung, Erderwärmung, die Gefahr einer globalen Rezession, die Integration der aufsteigenden Mächte, die nukleare Proliferation und das absehbare Scheitern der laufenden Verhandlungen zur Liberalisierung des Welthandels, um nur ein paar Beispiele zu nennen.

Andererseits würde auch eine Ausweitung der G 8 um die wichtigsten Schwellenländer diese Versammlung keineswegs entscheidungsfreudiger machen, denn es mangelt schlicht an einer gemeinsamen Interessengrundlage. Eine Erweiterung wäre nur sinnvoll, wenn die reichen Staaten des Nordens den aufsteigenden Mächten des Südens und Ostens einen wirklichen Interessensausgleich anbieten würden. Jenseits von Versprechungen ist von solch einem Ausgleich aber nichts zu sehen.

Beispiel Klimaschutz: Wenn es dort einmal Ernst wird, verteidigen die alten G-8-Staaten - auch Deutschland - zäh den Status quo und damit ihre Vorrangstellung. Sie sind nicht bereit, drastische Reduktionen zum Schutz des Weltklimas vorzunehmen und damit den neuen wirtschaftlichen Giganten Platz zum Wachsen einzuräumen. Ohne einen Verzicht der alten G-8-Staaten können aber auch die neuen Wirtschaftsmächte nicht in die klimapolitische Pflicht genommen werden. Das Ende vom Lied ist absehbar: Die Schadstoffemissionen werden weiter zunehmen, die Erdatmosphäre wird sich weiter aufheizen.

Statt einer G 8 wäre eine Gruppe der 14 oder 16 sehr viel sinnvoller. Ohne einen neuen globalen Status quo könnte sie jedoch nicht funktionieren. Und leider – das ist die deprimierende Lektion der beiden letzten G-8-Gipfel in Deutschland und Japan – sind die Regierungen der westlichen Industriestaaten zu einem solchen neuen globalen Interessenausgleich nicht bereit.

Die G 8 sind bedeutungslos geworden. Wenn den westlichen Regierungen die Kraft zum gemeinsamen Handeln und zu einem neuen Status quo fehlt, wäre es ehrlicher, diesen entleerten Gipfelzirkus einzustellen, statt sich weiter der Lächerlichkeit preiszugeben. Aber auch dies wird nicht geschehen, weil selbst zum Schließen der Tür noch die Kraft und Entschlossenheit fehlen. Wegen dieser Unfähigkeit zu handeln steht die Welt aber nicht still. Was sich die Regierungen aus freiem Entschluss nicht trauen, wird sich dann eben durch den Fortgang der Geschichte ergeben. Die Kosten werden sich dabei aber vervielfachen.