Der polnische Präsident Lech Kaczynski weilte in Paris, um über die Mittelmeerunion zu verhandeln, als ihn die Nachricht erreichte. Er sei zutiefst getroffen, sagte Kaczynski. Er hatte zwar gänzlich unterschiedliche politische Ansichten als Geremek, habe ihn aber als eine  herausragende Persönlichkeit geschätzt. "Sein Tod ist ein riesiger Verlust", sagte Kaczynski. Er bat seinen Gastgeber  Nicolas Sarkozy, gemeinsam Geremek mit einer Schweigeminute zu ehren.

Nur zwei Wochen zuvor griff Geremek den polnischen Präsidenten Lech Kaczynski an, als dieser den Vertrag von Lissabon für tot erklärte. Geremek kämpfte für das Vertragswerk, so wie er immer für die Idee der Europäischen Union kämpfte. In seinem letzten Interview für die liberale Zeitung Gazeta Wyborcza erklärte er, dass er die Meinung des Präsidenten fürchte. Er zerbreche sich den Kopf darüber, wie man den Präsidenten doch noch überzeugen könnte.

Geremeks Tod erschüttert nicht nur Polen, ganz Europa zeigt sich untröstlich. Das sei eine "riesige Katastrophe für Polen", sagte Zbigniew Brzezinski, einst Berater des US-Präsidenten Jimmy Carter. "Ein wunderbarer polnischer Patriot, ein Freiheitskämpfer und überzeugter Europäer hat uns verlassen", klagte der italienische Präsident Giorgio Napolitano. "Ich habe einen teuren Freund verloren." Der deutschen Außenminister Frank-Walter Steinmeier erklärte, Geremek sei ein aufrechter Politiker und Freund gewesen. "In Deutschland erinnern wir uns dankbar, wie er als Außenminister engagiert und beharrlich dafür arbeitete, das deutsch-polnische Verhältnis auszugestalten und zu vertiefen," sagte Steinmeier.

Der frühere Dissident Adam Michnik, heute Chefredakteur der liberalen Zeitung Gazeta Wyborcza , fand Worte der tiefen Trauer für seinen Freund. Geremek und Michnik kämpften gemeinsam für die Freiheit ihres Landes. Geremek blieb der Gazeta Wyborcza verbunden und publizierte dort gelegentlich seine Ideen zu Polen und der Europäischen Union.

Der studierte Historiker hatte sich bereits in den 70er Jahren in der demokratischen Opposition engagiert. Nach Ausbruch der Streikwelle an der Danziger Lenin-Werft im August 1980 fungierte er als Berater des Streikkomitees. Nach der Verhängung des Kriegsrechts 1981 wurde der Regimekritiker mehrfach verhaftet. Er gehörte zur Gruppe um Lech Walesa, die die demokratischen Reformen vorbereitete.

Nach der Wende von 1989 wurde Geremek zu einem der Architekten der neuen polnischen Politik. Er kam 1989 erstmals ins Parlament. Dort leitete er unter anderem den Auswärtigen Ausschuss. Von 1997 bis 2000 war er Außenminister. 2004 gewann Geremek erstmals das Mandat des Europäischen Parlaments. 2002 bekam er die bedeutungsvollste polnische Auszeichnung – den Orden vom Weißen Adlers.