Die deutschen Geiseln seien wohlauf, ließ die PKK-Spitze am späten Sonntagabend per Mitteilung verbreiten. "Wir werden Maßnahmen ergreifen, um sicherzustellen, dass die Touristen sicher und wohlbehalten zu ihren Familien zurückkehren", hieß es darin. Allerdings solle die deutsche Regierung die Türkei auffordern, ihre Kampfeinsätze im Osten der Türkei zu stoppen. Zugleich kritisierte die PKK erneut die Kurdenpolitik der Bundesregierung.

Die Organisation betonte, dass die Deutschen ohne Absprache mit der PKK-Führung verschleppt worden seien. Nach Angaben des ZDF-heute journal machte sie eine "Eigeniniative der Provinzkommandantur" verantwortlich. Die Aktion richte sich nicht gegen das deutsche Volk, sondern die deutsche Bundesregierung. Andernfalls hätte man "den deutschen Wirtschaftsinteressen" weit größeren Schaden zufügen können. Jeder wisse, dass die PKK hierzu in der Lage sei.

Damit ist fünf Tage nach der Entführung der drei Bergsteiger in der Kurdenregion keine Freilassung in Sicht. Während der Krisenstab des Auswärtigen Amtes weiter tagt, haben Kanzlerin Angela Merkel und der türkische Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan am Rande des EU-Mittelmeer-Gipfels in Paris eine intensive Zusammenarbeit vereinbart, um eine schnelle Freilassung der Geiseln zu erreichen.

Erdogan versicherte nach Angaben der deutschen Delegation in Paris, seine Regierung werde alles tun, damit die Deutschen "schnell und unversehrt" freikommen. Zuvor hatte bereits Außenminister Frank-Walter Steinmeier mit seinem türkischen Kollegen Ali Babacan über die Geiselnahme beraten.

Merkel appellierte am Wochenende an die Entführer, die Geiseln "umgehend und unversehrt freizulassen". Erneut machte sie aber deutlich, dass sich die Bundesregierung nicht erpressen lasse. Eine sechsköpfige deutsche Delegation, zu der zwei Polizisten gehören, nahm nach Angaben der türkischen Nachrichtenagentur Anadolu Gespräche mit dem Gouverneur der osttürkischen Provinz Agri und lokalen Militärs auf.

Wie der Spiegel berichtet, war die Bundesregierung schon eine Woche vor der Entführung gewarnt. Die Kader der PKK hätten diese vor den "negativen Konsequenzen" ihrer Kurdenpolitik gewarnt. Der Exekutivrat der Vereinigten Gemeinschaften Kurdistans – nach dem inhaftierten PKK-Führer Abdullah Öcalan so etwas wie die zweithöchste Instanz im Kampf der Kurden – hätte Ende Juni die Bundesregierung aufgefordert, ihre "feindliche Politik gegen das kurdische Volk und seine Befreiungsbewegung" aufzugeben.