Gut eine Woche, bevor drei bayerische Bergsteiger in der Türkei entführt wurden, sollen deutsche Behörden vor Gewaltaktionen der Kurden-Organisation PKK gewarnt worden sein. Das Magazin Spiegel berichtet, das Bundeskriminalamt (BKA) habe nach Hinweisen der türkischen Polizei die Innenministerien auf die Gefahr von Anschlägen und Geiselnahmen in der Türkei aufmerksam gemacht. Zudem habe die PKK-Führungsebene die Bundesregierung vor "negativen Konsequenzen" ihrer Kurdenpolitik gewarnt.

In dem Kidnapping-Fall gab es am Samstag offiziell keine positive Entwicklung. Der Krisenstab im Auswärtigen Amt arbeite "unvermindert und intensiv für die bedingungslose Freilassung" der drei Entführten, wie ein Sprecher sagte. Unterdessen sind die zehn Kameraden der entführten Bergsteiger nach Bayern zurückgekehrt. Sie sollen möglichst bald vernommen werden.

Außenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) bestätigte, dass auch in Nigeria zwei Deutsche entführt worden sind. Nach Angaben des Mannheimer Baukonzerns Bilfinger Berger werden zwei Ingenieure des Tochterunternehmens Julius Berger Nigeria vermisst. Ein nigerianischer Militärsprecher hatte am Freitag gesagt, Bewaffnete hätten zwei Ausländer im ölreichen Niger-Delta auf einer Baustelle nahe Port Harcourt gekidnappt. Bereits im März war ein Mitarbeiter derselben Firma in der Gegend entführt worden, aber nach etwa zwölf Stunden wieder freigekommen.

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) appellierte an die Entführer der Bergsteiger in der Osttürkei, ihre drei Geiseln "umgehend und unversehrt freizulassen". Zugleich machte sie erneut deutlich, dass die Bundesregierung sich nicht erpressen lasse.

Über die Entführung will die Kanzlerin am Rande des EU-Mittelmeer-Gipfels an diesem Sonntag in Paris auch mit dem türkischen Ministerpräsidenten Recep Tayyip Erdogan sprechen, ebenso wie Steinmeier mit seinem türkischen Kollegen Ali Babacan. Wie die türkische Nachrichtenagentur Anadolu meldete, nahm eine sechsköpfige deutsche Delegation, zu der zwei Polizisten gehören, Gespräche mit dem Gouverneur der osttürkischen Provinz Agri, Mehmet Cetin, und lokalen Militärs auf.