Das Gerücht kursierte seit Wochen in Radsportkreisen – nun ist es amtlich: Am Ruhetag der Tour de France präsentierte der russische Brauerei- und Restaurantmilliardär Oleg Tinkoff sein neues Radsportteam namens "Katjuscha", das alle bisher gewohnten Dimensionen sprengen soll. 30 Millionen Euro pro Jahr, gab Tinkoff im Nobelhotel Villa Navarre im Pyrenäenferientort Pau bekannt, werden der Mannschaft in den kommenden neun Jahren zur Verfügung stehen, um "die größte und beste Formation der Welt" aufzubauen. Das übliche Budget für Profimannschaften auf Tour-de-France-Niveau liegt zwischen acht und zwölf Millionen.

Um das massive Budget für das neue Superteam aufzubringen, gelang es Tinkoff, die russischen Konzerne Gasprom, Itera und Rostechnologii an Bord zu holen. Mittler zwischen den Firmen und dem ehrgeizigen Radsportmagnaten war Wladimir Putin persönlich, dem nachgesagt wird, auf allen seinen Reisen ein Rennrad dabeizuhaben und es auch mit Begeisterung zu nutzen.

Gemeinsam wollen Tinkoff und Putin Russland zur großen Radsportnation machen. "Katjuscha" soll sich deshalb nicht nur um den Profisport kümmern, sondern auch um die Nachwuchsförderung und um den Frauenradsport. Direktor des gesamten Programms ist der frühere Rad-Weltcup-Sieger und jetzige Sportminister von Moldawien Andrej Tchmil. Um die radsportlichen Ambitionen Russlands zu untermauern, setzen sich Tinkoff und Putin gleichzeitig dafür ein, ein Pro-Tour-Rennen ins Russische Sotschi zu holen.

Tinkoff hatte aus seiner eigenen Tasche bereits eine Radsportmannschaft unterhalten, für die zunächst unter anderem Fahrer wie der geständige Doper Jörg Jaksche sowie die überführten Betrüger Tyler Hamilton und Danilo Hondo angetreten waren. Für die neue Mannschaft sollen es nicht weniger sein als die besten Fahrer der Welt. Top-Sprinter Robbie McEwen ist im Gespräch, ebenso der belgische Star Tom Boonen, der vor wenigen Wochen wegen Kokain-Missbrauchs bei einer Dopingprobe auffiel. Auch der Schweizer Weltmeister Fabian Cancellara steht auf Tinkoffs Wunschliste. Unterschrieben hat bislang jedoch nur der belgische Sprinter Gert Steegmans. Obwohl Tinkoff behauptet, dass er keine Gehälter über Marktpreis zahlen möchte, bekommt Steegmans von Tinkoff doppelt so viel, wie er bei seiner bisherigen Mannschaft Quick Step verdiente.