In Washington schlug die Nachricht wie eine Bombe ein. "Spektakuläre Wende" in der US-Außenpolitik, meldete CNN: Ein hochrangiger Vertreter des US-Außenministeriums soll am Samstag in Genf an den Atomverhandlungen mit Iran teilnehmen. Offiziell zählt Iran für die Regierung von George W. Bush zur "Achse des Bösen". Die Frage, ob es direkte Kontakte der USA mit Iran geben könnte, ist einer der außenpolitischen Streitpunkte zwischen den Präsidentschaftskandidaten Barack Obama und John McCain. Wird schon jetzt, ein halbes Jahr vor dem Abgang Bushs, eine erste "Korrektur" der Außenpolitik eingeleitet? Eines ist sicher: Der überraschende Schritt wird den Streit über die Außenpolitik im US-Wahlkampf weiter anheizen.

Erste Reaktionen auf die Nachricht klingen geradezu begeistert. "Die Nukleargespräche werden das fast 30-jährige Schweigen brechen", schwärmt die Zeitung The Wall Street Journal . Schließlich ist es nicht irgendwer, der an dem Treffen mit den Iranern teilnimmt, sondern Staatssekretär William Burns, die "Nummer drei" im State Department. Der "höchste diplomatische Kontakt" der USA mit dem Iran seit 1979, heißt es. Damals erlebten die USA mit der Besetzung ihrer Botschaft in Teheran einen Albtraum. 444 Tage lang wurden 52 Amerikaner als Geiseln gehalten; das Drama ist tief ins Bewusstsein der Amerikaner eingeschrieben.

Die Wende kommt faktisch einer Unterstützung Obamas gleich", meint eine Wahlkampfexpertin bei CNN. Schließlich habe der schwarze Senator trotz scharfer Kritik immer wieder für direkte Gespräche auch auf höchster Ebene mit Iran geworben – sein Rivale McCain hatte solche Kontakte schlichtweg als "naiv" und einfältig verurteilt. Mit einem Paria-Staat verhandele man nicht. Obama machte in seiner jüngsten außenpolitischen Rede klar, er wolle alle Elemente der amerikanischen Macht nutzen, um Teheran unter Druck zu setzen – "beginnend mit aggressiver, auf Prinzipien basierender und direkter Diplomatie; Diplomatie gestützt durch starke Sanktionen und ohne Vorbedingungen".

Vor der Europa- und Nahostreise Obamas – die ihn am 24. Juli auch nach Berlin führen soll – ist Außen- und Sicherheitspolitik zum beherrschenden Wahlkampfthema geworden. Hier liegt immer noch die Achillesferse von Obama. Nach einer Umfrage von ABC News und Washington Post halten 72 Prozent der Amerikaner McCain für einen guten Oberkommandierenden. Lediglich 48 Prozent würden das von Obama behaupten – ein schweres Handicap für ihn.

"Ich weiß, wie man Kriege gewinnt", meint der selbstbewusste McCain immer wieder vor seinen Anhängern. Der 71-jährige Vietnamveteran, der als Bomberpilot im Vietnamkrieg abgeschossen wurde und jahrelang in Hanoi gefangen war, setzt sein Image als "Kriegsheld", der auch zur Härte und zum Durchhalten bereit ist, immer offener ein. Durchhalten müsse man auch im Irak – so seine Botschaft. So habe die Aufstockung der Truppen im Irak zu einer deutlichen Verbesserung der Sicherheitslage geführt. "Obama war gegen die Aufstockung", so der Tenor McCains. "Heute wissen wir, dass Senator Obama im Unrecht war."