Kritisch mit neuen Technologien umzugehen, führt leicht zu Problemen mit jenen, die sie erdacht haben. Das erlebt der Chaos Computer Club gerade. "CCC hackt Hamburger Wahlstift", meldeten im Oktober 2007 viele Medien, darunter ZEIT online . Wenig später erreichten die Computer-Aktivisten, dass das neue elektronische Abstimmungsverfahren, das der damalige CDU-Senat erstmals bei der Hamburger Bürgerschaftswahl im März einsetzen wollte, gestoppt wurde - wegen angeblicher Sicherheitsmängel . Datenschützer jubelten. Der Hamburger Senat aber und vor allem die Hersteller der Wahlcomputer ärgerten sich.

Ersterer stichelte auf seiner Website gegen den Chaosclub und seine Aktion. In einem Text des Landeswahlamtes auf der offiziellen Seite hamburg.de hieß es bis vor Kurzem: "Der Chaos Computer Club, der grundsätzlich gegen technische Unterstützung in Wahllokalen ist, hat in zwei Pressemitteilungen behauptet, das Digitale Wahlstift-System sei manipulierbar. Die Fraktion der Grünen/GAL in der Hamburgischen Bürgerschaft hat dies öffentlichkeitswirksam mit zwei Pressekonferenzen unterstützt. Bis heute ist es bei Behauptungen geblieben, ein Beweis wurde nie erbracht, im Gegenteil, die konkreten Behauptungen einer Manipulierbarkeit konnten widerlegt werden."

Die Aussagen seien falsch, schrieb daraufhin der CCC in einem Brief an den Senat. "Der gesamte Text (...) ist eine unsachliche und einseitige Parteinahme zugunsten des Hamburger Wahlstiftes." Die "wohlüberlegte" Entscheidung der Bürgerschaft werde "unzutreffend als ängstliche und innovationsfeindliche Blockade" dargestellt.

Immerhin hatten sich nach der Aktion des Clubs letztlich CDU, SPD und GAL darauf geeinigt, doch althergebracht wählen zu lassen. Nach dem Protest des CCC und einer SPD-Abgeordneten ist die Seite derzeit nicht mehr erreichbar. Im Senat prüfe man ihren Inhalt, heißt es.

Im Vergleich zum Vorgehen des zweiten Beteiligten jedoch ist das Kleinkram. Der Wahlstift-Hersteller hat den Club verklagt. Denn nach Ansicht der Diagramm Halbach GmbH aus Schwerte wurde der Wahlstift nicht "gehackt", der CCC dürfe solches daher nicht behaupten. Ein Richter muss also nun klären, wann ein Hack ein Hack ist.

Der Hamburger Chaos Computer Club ist schon seit den achtziger Jahren häufig in fremde Computersysteme eingedrungen – nicht aus Jux oder böser Absicht, sondern in der Regel, um Sicherheitsmängel aufzudecken. Heute werden die früher als "Chaoten" angesehenen Aktivisten oft als Berater herangezogen.