Zumindest an den Flugzeugbauern ist die Krise der Fluggesellschaften in diesem Jahr noch vorbeigegangen. Bei der größten Luftfahrtmesse des Jahres im englischen Farnborough, die am gestrigen Sonntag zu Ende ging, verzeichnete allein Airbus Aufträge im Wert von rund 40 Milliarden US-Dollar. Und doch offenbart ein Blick in das Orderbuch, wie schlecht es um die Traditionslinien aus der westlichen Welt bestellt ist - und wie rasant vor allem Fluggesellschaften aus dem Mittleren Osten diese Schwächen in Zukunft ausnutzen könnten.

Die Scheichs aus der Wüste standen für zwei von drei Aufträgen, die Boeing und Airbus in ihren kleinen Chalets auf dem Messegelände verkündeten. "Staaten aus dem Mittleren Osten nutzen ihren Reichtum, um traditionellen Airlines Marktanteile abzujagen", sagt Richard Aboulafia, Luftfahrtexperte beim Beratungsunternehmen Teal Group. Weder Europäer noch Amerikaner können sich in diesen Tagen gegen die Macht aus dem Mittleren Osten stemmen. Im Gegenteil, sie schicken ihre Flugzeugen zu Dutzenden in die Wüste.

Weil vor allem amerikanische Airlines nicht mehr profitabel fliegen, landen sie ihre Kerosinschlucker derzeit im Südwesten der Vereinigten Staaten. Allein auf dem Evergreen Maintenance Center in Marana, Arizona, warten derzeit 150 Flieger auf bessere Zeiten. Die Eigentümer, darunter Delta Airlines, United Airlines oder der Billigflieger Northwest, klagen über ihre veraltete Flotte, die besonders viel Kerosin frisst und die Kosten in die Höhe treibt. Für die Fluggesellschaften ist es billiger, die Maschinen in der Wüste zu parken, als sie in Betrieb zu halten.