Jugendliche in Deutschland haben nach Einschätzung der Wirtschaft so gute Chancen auf eine Lehrstelle wie seit Jahren nicht mehr. "Es sind so viele Plätze frei wie schon lange nicht mehr. Unternehmen suchen oft händeringend Auszubildende - nahezu bundesweit und in fast allen Branchen", sagte der Präsident des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK), Ludwig Georg Braun, der Bild-Zeitung. Gesucht würden vor allem Lehrlinge in den Branchen Einzelhandel, Gastronomie, Metall und Informationstechnik. Allein in Berlin gibt es laut Industrie- und Handelskammer derzeit in 106 Berufen mehr als 1500 freie Lehrstellen. "Das sind 35 Prozent mehr als im Vorjahr", sagte IHK-Sprecher Holger Lunau.

Eine Ursache dafür sind sinkende Schülerzahlen. In diesem Jahr werden Angaben des Bundes zufolge über 30.000 weniger Schüler die Schulen verlassen. In Ostdeutschland wird sich die Zahl bis 2013 gegenüber 2000 etwa halbieren.

In den meisten Berufen beginnt das neue Lehrjahr zum 1. September. Dass wenige Wochen zuvor noch viele Ausbildungsplätze frei sind, bedeutet jedoch nicht, dass jeder, der möchte, auch eine Lehrstelle erhält. Wer keinen Schulabschluss hat oder nicht die von den Betrieben geforderten Eigenschaften mitbringt, hat schlechte Karten. Häufig beklagen die Unternehmen, es mangele den Bewerbern an grundlegenden Fähigkeiten wie Pünktlichkeit und Freundlichkeit.

Nach Auskunft der SPD verlassen jedes Jahr 50.000 bis 80.000 Schüler die Schule ohne Abschluss. Schwierig ist auch die Lage von Altbewerbern, die seit Langem in Förderprojekten Warteschleifen drehen. Im vergangenen Jahr waren rund 385.000 Jugendliche bereits länger als zwölf Monate von der Schule, ohne dass sie in dieser Zeit eine Lehrstelle fanden.