Fingerabdrücke musste bis vor Kurzem nur abgeben, wer eines Verbrechens verdächtig war. Seit November 2007 müssen es auch jene, die reisen wollen und dazu einen Pass benötigen. Wäre es nach den Wünschen des Bundesinnenministeriums gegangen, müssten gar 60 Millionen Deutsche die Muster künftig ihrer Papillarleisten abliefern. Denn für den neuen elektronischen Personalausweis (ePA) sollte das ursprünglich Pflicht werden. Proteste von Datenschützern haben das verhindert. Mit dem Ergebnis, dass das Bundeskabinett am Mittwoch einen skurrilen Kompromiss beschlossen hat.

Der elektronische Ausweis kommt, daran ist kein Zweifeln mehr. Dass die Opposition geschlossen dagegen ist, spielt keine Rolle. Differenzen zwischen Union und SPD sind, falls sie denn wirklich existierten, ausgeräumt: Das Gesetzgebungsverfahren läuft, spätestens ab 2010 wird der neue Ausweis im Scheckkartenformat ausgegeben.

Jedoch wird nicht jeder ePA auch das Gleiche können oder dürfen. Drei Funktionen sind es vor allem, die den neuen Ausweis vom alten unterscheiden: der elektronische Identitätsnachweis, die elektronische Signatur und die biometrischen Merkmale. Aufgrund des öffentlichen und politischen Widerstands aber werden alle drei freiwillig sein. Wer beim Antrag der Aktivierung widerspricht, muss keine Fingerabdrücke abgeben und erhält ein Dokument, das genauso viel oder wenig kann wie bisher. Lediglich das Format ist etwas kleiner.

Das aber lässt die Argumente, die für die neuen Funktionen angeführt werden, absurd erscheinen. Warum beispielsweise sind die Fingerabdrücke nun freiwillig, wenn sie so essenziell für die Sicherheit der Bürger sind, wie das Innenministerium behauptet? Immerhin heißt es auf der Internetseite des BMI zu dem Thema, fälschungssichere Dokumente schützten nicht vor Missbrauch durch Personen, die dem Inhaber sehr ähnlich sehen, "etwa durch Änderungen der Frisur, Barttracht, Brille/Kontaktlinsen". Immerhin würden jährlich "rund eine viertel Million" Ausweise gestohlen oder verloren und stehen damit für diese Art des Betrugs zur Verfügung.

Klingt, als müsste dringend etwas gegen diese Gefahr unternommen werden. Warum aber ließ sich Innenminister Wolfgang Schäuble (CDU) dann auf den Kompromiss ein? Entweder braucht es die Fingerabdrücke, oder es braucht sie nicht.

Ein weiteres Argument der Verfechter ist ebenso seltsam. Der ePA sei ein Ausweis für die virtuelle Welt, so das Innenministerium. Er diene, heißt es , "vor allem der Identifizierung seines Inhabers im Geschäftsverkehr mit Verwaltung und Privatwirtschaft". Daher kann er als "elektronischer Identitätsnachweis" dienen, also via Lesegerät einer anderen Stelle die aufgedruckten Personendaten elektronisch übermitteln.

Bei Geschäften im Internet ist das durchaus praktisch. Der Bundesdatenschutzbeauftragte Peter Schaar und Oppositionspolitiker aber halten es für eine unglückliche Verquickung völlig verschiedener Dinge.