Manchmal ist das Ereignis wichtiger als das Ergebnis. In Genf haben sich die Unterhändler Irans und der EU zu einem weiteren Gespräch über das iranische Atomprogramm getroffen. Doch zum ersten Mal, seit diese Gespräche vor vier Jahren begonnen haben, saß mit Richard Burns, dem Staatssekretär im amerikanischen Außenministerium, ein hochrangiger Vertreter der US-Regierung mit am Tisch.

Zudem beabsichtigen die USA, nach 30 Jahren in Teheran wieder eine eigene Interessenvertretung zu eröffnen, wie sie auch eine in Kuba unterhalten. Dies wäre also noch keine Botschaft, aber doch ein entscheidender Schritt in Richtung diplomatischer Beziehungen.

Es scheint Bewegung in die nahöstlichen Verhältnisse zu geraten. Vor einer Woche hatte Nicolas Sarkozy den syrischen Präsidenten Assad zur Mittelmeerkonferenz geladen, und damit die diplomatische Isolierung Syriens unter Aufgabe aller bisherigen französischen Positionen beendet.

Nebenbei bemerkt: Auch der deutsche Außenminister Frank Walter Steinmeier verfolgt diese Politik gegenüber Damaskus schon seit zwei Jahren. Er bekam dafür aber von der Unionsfraktion heftige Prügel und wurde von der Kanzlerin blockiert. Weshalb eigentlich? Was ist an Sarkozys Handeln richtig, das an Steinmeiers Intentionen falsch war?

Für Optimismus ist es im Nahen und Mittleren Osten freilich noch zu früh. In diesen Regionen der Welt gelten andere Gesetze. Wer hier den kürzesten Weg von A nach B wählt, wird scheitern. Alle politischen Akteure verfolgen dort mindestens immer zwei oder noch mehr Optionen gleichzeitig. Und ganz besonders in Iran gilt der bewährte Grundsatz: "All politics is local ". Die internen Machtkämpfe in Iran und die bevorstehenden iranischen Präsidentschaftswahlen im Frühjahr nächsten Jahres verkomplizieren die Sache noch erheblich.

Niemand konnte in Genf deshalb ernsthaft mit einem positiven Ergebnis rechnen, dazu waren die Akteure nicht bevollmächtigt. Ein Durchbruch wird nicht auf der Verhandlungsebene von hohen Beamten zu erreichen sein, sondern nur auf der politischen Führungsebene – wenn überhaupt.

Die Tatsache aber, dass die USA bei den Atomgesprächen mit Iran erstmals direkt mit am Tisch saßen, zeigt, dass George W. Bush in seiner Spätphase ganz offensichtlich eine diplomatische Lösung versuchen will. Offenbar gilt in Washington momentan die These: Was mit Nordkorea gelang, wollen wir auch mit Iran versuchen. Das wäre George W. Bushs Option A. Dabei gilt es allerdings einen zentralen Unterschied zu beachten: In Nordkorea verfügen die USA nur theoretisch über eine militärische Option B, im Falle Irans ist diese Option hingegen sehr konkret.