Barack Obama hat am Montag mit dem irakischen Regierungschef Nuri al-Maliki über den richtigen Zeitpunkt für einen Abzug der amerikanischen Truppen diskutiert. Ein Regierungsvertreter sagte, bei dem Gespräch sei es auch konkret darum gegangen, wie viele US-Soldaten ab 2009 das Land verlassen sollten.

Obama hatte angekündigt, er wolle die US-Truppen im Falle seines Wahlsiegs innerhalb von 16 Monaten aus dem Irak abziehen. Nur einige kleinere Einheiten sollten dann noch zurückbleiben, um Amerikaner zu schützen, die Ausbildung der irakischen Sicherheitskräfte fortzusetzen und um gegen die Terroristen von al-Qaida zu kämpfen. Die meisten Mitglieder der irakischen Regierung sehen diese Pläne mit Skepsis. In Bagdad soll Obama auch US-Generäle und Staatspräsident Dschalal Talabani treffen.

Irak ist nach Afghanistan Obamas zweite große Station auf einer einwöchigen Wahlkampftour in Nahost und in Europa. Der Demokrat will im Rennen um das Weiße Haus sein außenpolitisches Profil schärfen - gerade auf diesem Feld beansprucht sein Rivale John McCain mehr Kompetenzen. Die Reise wird Obama auch nach Israel und Jordanien sowie nach Berlin, Paris und London führen.

Begonnen hatte seine Tour am Samstag mit einem rund 30-stündigen Aufenthalt in Afghanistan, der von extremen Sicherheitsmaßnahmen gekennzeichnet war. Obama landete ohne vorherige Ankündigung mit einer kleinen Kongressdelegation auf dem US-Stützpunkt Bagram nördlich von Kabul, wo er den afghanischen Staatspräsidenten Hamid Karsai traf. Einzelheiten des Gesprächs wurden nicht bekannt.

Obama will im Falle eines Wahlsiegs im November die Truppen in Afghanistan um weitere 10.000 US-Soldaten verstärken: "Die Lage hier ist prekär und akut." Angesichts der eskalierenden Gewalt bräuchten die Soldaten stärkere Unterstützung. "Als Präsident würde ich eine neue Strategie verfolgen und damit beginnen, mindestens zwei weitere Kampfbrigaden zur Unterstützung unserer Mission in Afghanistan bereitzustellen", meinte Obama vor seiner Reise in einem Beitrag der New York Times . Schon jetzt sollten die USA mit den Vorbereitungen für eine Verlegung von US-Soldaten aus dem Golfstaat nach Afghanistan beginnen, hatte der Senator aus Illinois in einem Interview am Sonntag gesagt.