Der Pontifex habe vier Opfer und Vertreter von Opferverbänden zu einer privaten Messe in eine Kapelle der St. Mary's- Kathedrale in Sydney empfangen und sich ihre Geschichte angehört, teilte der Vatikan am Montag mit. Anschließend sprach er ihnen sein tiefes Mitgefühl für das erfahrene Leid aus, habe ihnen Trost gespendet und versprochen, für sie und ihre Familien zu beten.

Mit dem Treffen erfüllte Papst Benedikt eine der Hauptforderungen der Opferverbände. Es stand nicht auf dem offiziellen Programm der Reise des Kirchenoberhaupts zum Weltjugendtag und wurde erst bekanntgegeben, als der Papst die Kathedrale bereits wieder verlassen hatte. "Das Treffen zeigt den kontinuierlichen Einsatz der Kirche in Australien, denjenigen, die durch sexuellen Missbrauch so schwer verletzt worden sind, Heilung und Gerechtigkeit zu Teil werden zu lassen", teilte die Erzdiözese von Sydney mit.

Opferverbänden reichten die Worte des deutschen Papstes allerdings nicht aus. "Eine Entschuldigung ist nicht genug. Opfer wollen Taten, keine Worte", hatte etwa die Gruppe "Broken Rites" am Wochenende erklärt. Die australische Kirche versuche nach wie vor, Missbrauchsfälle zu vertuschen. Bislang sind in Australien 107 Mitglieder der katholischen Kirche wegen sexueller Misshandlung von Minderjährigen verurteilt worden. Die Dunkelziffer dürfte nach Angaben von Opferverbänden in die Tausenden gehen.

Auch Erzbischof George Pell warfen Opfer-Angehörige und Verbände mehrfach vor, sich nicht genügend um die Opfer zu kümmern. In seiner Zeit als Bischof von Melbourne hatte er in seiner Diözese eine Obergrenze für Kompensationszahlungen an Opfer von 50.000 australischen Dollar (rund 30.000 Euro) festgelegt.

Das erste Treffen zwischen dem Papst und Opfern sexueller Gewalt hatte im Frühjahr bei der Reise Bendikts in die USA stattgefunden. Es galt als historischer Schritt für eine Versöhnung zwischen der Kirche und den Opfern.