"Left in Alabama" , "Left in Aboite" aus Indiana oder "Left in the West" aus Montana – abgesehen von ihren ähnlichen Titeln haben diese Blogs noch etwas gemeinsam: Sie sind die Kommunikationsmittel von Demokraten in Republikaner-Staaten. Vereinzelte Linke, versprengt in konservativen Landstrichen, sind prädestiniert dafür, ihrer Stimme durch Blogs Gehör zu verschaffen und sich im Internet mit Gleichgesinnten zu vernetzen. Am Wochenende trafen sich rund 2000 dieser Internet-Aktivisten in Austin, Texas’ Hochburg der Demokraten, zur "Netroots Nation" , der Jahreskonferenz der linken Bloggerszene.

Ursprünglich war die Konferenz als "YearlyKos" gegründet worden, auf der sich die Nutzer des Internet-Diskussionsforums DailyKos auch persönlich kennenlernen können. Ergänzend gab es Vorträge und Podiumsdiskussionen zur politischen Kommunikation im Internet. Das war vor drei Jahren. Inzwischen wurde das Treffen umbenannt, um die gesamte, dezentrale Struktur aus Demokraten-Bloggern zu umfassen, die man als "Netroots" bezeichnet – ein Neologismus aus "Internet" und "Grassroots", dem Begriff für von unten organisierte Bewegungen.

In mancher Hinsicht ist Amerika tatsächlich eine Nation der "Netroots" geworden – zumindest das linke Amerika. Der Szenetreff für Nerds hat sich in kürzester Zeit zu einem Pflichttermin für alle entwickelt, die bei den Demokraten etwas bewegen wollen. Im vergangenen Jahr legten hier die wichtigsten Präsidentschaftsanwärter der Partei einen Zwischenstopp ein. Und auch 2008 kamen mit Repräsentantenhaus-Sprecherin Nancy Pelosi, Wahlkampf-Koordinator Howard Dean und Nobelpreisträger Al Gore die oberste Parteiprominenz, um sich den Fragen der kleinen und großen Meinungsmachern und Multiplikatoren auf der "Netroots Nation" zu stellen.

Nur einer fehlte: Barack Obama, der Protegé der Blogger. Er war am Wochenende zu seiner Reise durch den Mittleren Osten und Europa aufgebrochen und richtete sich in einer Video-Einspielung an die Konferenzteilnehmer. Während sich der Präsidentschaftswahlkampf traditionell auf "Swing States" konzentriert, die die Mehrheitsverhältnisse bei der Wahl kippen können, versprach Obama in seiner Rede einen Wahlkampf in allen 50 Staaten, um eine "handlungsfähige Demokratische Mehrheit" aufzubauen. Ein Stück weit war diese Rede wohl auch als Appeasement der Parteibasis zu verstehen, in deren Blogs zuletzt auch Kritik am gefühlten Rechtsruck des Kandidaten zu lesen war.

Am anderen Ende von Austin trafen sich derweil rund 500 Anhänger der Republikaner zur Gegenkonferenz. Die marktliberale Stiftung Americans for Prosperity hatte erstmals zur Neue-Medien-Konferenz "Right Online" eingeladen um "ein konservatives Gegengewicht zur linken Web-2.0-Community zu etablieren". Bisher fehlen linken Online-Institutionen wie MoveOn, der Nachrichtenseite Huffington Post oder eben DailyKos die erfolgreichen, konservativen Gegenstücke.

Auch in Sachen Internet-Wahlkampf kann John McCain mit Barack Obama nicht mithalten. Ob es um die Nutzung von sozialen Netzwerken wie Facebook geht oder um die Video-Plattform YouTube – die Konservativen hinken noch hinterher. Neben dem Meinungsportal Townhall gibt es nur wenige exponierte konservative Blogger wie etwa Michelle Malkin, die als Hauptrednerin für "Right Online" gebucht worden war. Während zur "Netroots Nation" neben Howard Dean und Nancy Pelosi auch Nobelpreisträger Al Gore erschien, fehlten auf der "Right Online"-Konferenz echte Hochkaräter – ein weiteres Indiz für die Bedeutungsasymmetrie in der politischen Blogosphäre.