Auch mit einer maximal optimistischen Erwartung an die gegenwärtig verfügbaren, erneuerbaren Energien könnte nur ein fundamentaler und sofortiger Durchbruch in der nuklearen Fusionstechnik oder in der Solarthermie die Notwendigkeit einer sauberen Kohle-Technik abwenden, jedenfalls sofern das globale Wachstum der Energienachfrage erhalten bleibt. Und der Wunsch, dass diese Nachfrage nicht anhält, wäre angesichts dann ins Haus stehender Konflikte mehr als leichtfertig.

Aus Sicht der Schwellenländer sind zwei Dinge nicht glaubwürdig: dass man ihnen Kernkraft als Lösung ihrer Energieprobleme verkaufen will und dass man ihnen zu einer sofortigen und totalen Dekarbonisierung rät. Sie wissen, dass es um Milliarden-Investitionen geht. Vorgeschobene Argumente sind wohlfeil.

Ob wir es wollen oder nicht, CO2 ist ein öffentliches Gut. Klimapolitik ist Politik zum Umgang mit einem Allgemeingut. Der Ausstieg aus der fossilen CO2-Last ist ein Test für Europas Fähigkeit, in öffentlichem Interesse zu handeln. Um nicht weniger geht es, auch angesichts des Irischen Nein.

Neue Kraftwerke haben zwar einen höheren Wirkungsgrad, sind indessen aber noch immer konventionelle Kraftwerke. Um zu sauberen fossilen Kraftwerken zu kommen, sind noch viele gravierende Umwelt- und Kostenpunkte zu klären. Im Mittelpunkt stehen technisch-wirtschaftliche Fragen der Anlagenentwicklung und ökologische Fragen zur Umweltverträglichkeit und zur Infrastruktur der Einlagerung von Kohlendioxid. So ist zum Beispiel ein Bundesraumordnungsverfahren für die Untertage-Lagerung von Kohlendioxid überfällig.

Die unterirdische Lagerung muss als Übergangslösung verstanden werden, bis möglichst schnell bessere Möglichkeiten des Umgangs mit CO2 gefunden sind. Dreißig Jahre Erfahrungen der Umweltpolitik lehren, dass manche Dinge von Grund auf infrage gestellt werden müssen, um zu neuen Lösungen zu kommen. In den Siebzigerjahren gelang erst mit der Idee der Kreislaufwirtschaft die Trendwende weg von den Müllbergen. Das war eine gewaltige Leistung, zugleich aber auch ein Jobmotor und Innovationsprogramm. Die Frage heute ist: Sollen wir den Abfallstoff CO2 auf fragwürdige oder risikoreiche Weise unterirdisch lagern? Oder sollen wir ihn als Rohstoff zu nutzen versuchen? Gefragt ist nichts weniger als die Erfindung von Wegen zur künstlichen Photosynthese. Hierfür brauchen wir ein großes Forschungsprogramm. Nicht nur hierfür könnten Beiträge aus der neuen Nationalakademie der Wissenschaften nützlich sein. Der Weg heraus aus der Klimafalle und den Engpässen knapper Ressourcen soll zu einem neuen industriellen Metabolismus führen, wie ihn die Nobelpreisträger kürzlich im Potsdamer Institut für Klimafolgenforschung forderten. Dazu müssen wir die wissenschaftliche Kompetenz drastisch ausbauen und für mehr Austausch und Kreativität zu sorgen. Aber vor allem brauchen wir neue politische Formen und Formate, in denen über die langfristigen Optionen der Energie- und Klimapolitik nachgedacht wird. Es sollte argumentativ, streitvoll und verbindlich zugehen.

Das Apollo-Energie-Programm muss die Effizienz bei der Energienachfrage stärken, die technische Entwicklung bei den regenerativen Energien beschleunigen, die fossilen Energien CO2-neutral machen, die Nutzung von abgetrenntem CO2 als Rohstoff zum Programm machen, in Deutschland die Wissenskompetenz im Umgang mit der Kernenergie erhalten und diese in der Non-Proliferationspolitik einsetzen.