Noch vor zwei Wochen hatte der Präsident des Internationalen Olympischen Komitees (IOC), Jacques Rogge, beteuert, Journalisten hätten in Peking "unzensierten Zugang zum Internet". Sein Stellvertreter Thomas Bach hatte betont, dass die Olympischen Wettkämpfe "keine chinesischen Spiele sind"

Nun ist das IOC jedoch von seinem Versprechen abgerückt. Der Chef der IOC-Pressekommission, Kevan Gosper, relativierte die früheren Zusagen, dass im Hauptpressezentrum das Internet für etwa 25.000 ausländischen Journalisten nicht zensiert werde. Nach seiner Darstellung bezieht sich der versprochene freie Internetzugang thematisch nur auf Sportwettbewerbe, nicht aber China allgemein.

Gosper entschuldigte sich, die internationalen Medien mit seinen früheren Äußerungen über freien Internetzugang in die Irre geführt zu haben. "Ich bin enttäuscht, dass der Zugang nicht größer ist. Aber ich kann den Chinesen nicht sagen, was sie tun sollen", sagte Gosper der in Hongkong veröffentlichten Zeitung South China Morning Post.

Bei den Verhandlungen über freien Internetzugang ist es nach Darstellung des Pressekommissionsleiters um die Spiele gegangen, nicht zwangsläufig auch um andere China-Themen. "Wir haben es hier mit einem kommunistischen Land zu tun, in dem zensiert wird. Wir bekommen, was sie einem zugestehen", sagte Gosper und zeigte sich enttäuscht, nichts daran ändern zu können.

Die Sperren von chinakritischen Webseiten, den chinesischen Inhalten der Deutschen Welle, der BBC, Radio Free Asia oder der Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch hatten für heftige Empörung im Pressezentrum gesorgt. Aus Sicht des IOC-Sprechers wird sich an der Zensur-Regelung bei Pekings Olympia-Organisatoren allerdings nicht mehr rütteln lassen. "Ich vermute, sie haben ihre Entscheidung getroffen."