Der ehemalige Führer der bosnischen Serben, Radovan Karadžić, ist in der Nacht zum Mittwoch von Serbien an das UN-Kriegsverbrechertribunal in den Niederlanden ausgeliefert worden. Am Morgen landete das Flugzeug mit Karadžić in Rotterdam. Von dort wurde er zum Gefängnis des UN-Tribunals in Den Haag gebracht.

Vor dem internationalen Gericht muss sich Karadžić wegen Völkermords und Verbrechen gegen die Menschlichkeit während des Bosnienkriegs von 1992 bis 1995 verantworten.

In der Nacht um 3.45 Uhr, so berichtet die serbische staatliche Agentur Tanjug, habe eine Kolonne schwarzer Geländewagen das Justizgebäude verlassen, in dem Karadžić seit seiner Festnahme vor knapp einer Woche einsaß.

Die Fahrzeuge fuhren zum Belgrader Flughafen. Dort wartete ein Regierungsflugzeug vom Typ Falcon 50 auf Karadžić. Die entsprechende Anweisung zur Überstellung von Karadžić an das Tribunal habe zuvor Serbiens Justizministerin Snezana Malovic unterzeichnet.

Eine offizielle Erklärung gab es zunächst nicht. Die Anwälte von Karadžić hatten bis zuletzt versucht, die Überstellung nach Den Haag möglichst lange mit juristischen Schachzügen hinauszuzögern.

Der 63-Jährige war in der Vorwoche nach knapp zwölfjähriger Flucht in Belgrad gefasst worden. Er hatte zuletzt als Arzt für alternative Medizin gearbeitet und mit einem Vollbart und langen Haaren sein Äußeres völlig geändert.

Noch am Dienstagabend hatten in Belgrad mehrere Tausend Menschen gegen die Festnahme von Karadžić und dessen bevorstehender Auslieferung an das UN-Tribunal demonstriert. Bei Straßenschlachten mit der Polizei wurden rund 50 Menschen verletzt.