Er ist da. Endlich. Fotohandys werden in die Luft gerissen. Es wird geklatscht. "Obama Obama", skandieren die Menschen. Und dann den berühmten Schlachtruf, seinen Ruf: "Yes we can". Wenn man unten mitten im Getümmel steht, dann wirkt der Mann auf der Bühne irgendwie sehr klein. Aber das macht nichts. Hauptsache, er ist es wirklich, Barack Obama, echt und live. Da steht er, die riesige Berliner Siegessäule im Rücken, winkt in die Menge und strahlt sein weltberühmtes Obama-Lächeln. "Oh my god, I’m seeing him", kreischt ein Mädchen in der Menge.

200.000 Menschen sind gekommen, um den Mann zu sehen, der vielleicht einmal Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika sein wird und der schon jetzt die Menschen auf der ganzen Welt bezirzt mit seiner Botschaft vom Wandel. Von dort oben, wo er steht, muss es ein grandioses Bild sein. Auf eine fast zwei Kilometer lange Menschenschlange blickt er, die sich vom Großen Stern inmitten des grünen Berliner Tiergartens fast bis zum Brandenburger Tor hinzieht. Unten, in der Menge, ist es vor allen Dingen eng.

Hier, ganz vorne, stehen seine treuesten Fans. Diejenigen, die bereit waren, zwei und mehr Stunden auf ihn zu warten, nur um wirklich ganz nahe dran zu sein an ihrem Idol. Der 15-jährige Berliner Angelo etwa, der sich zum Erstaunen seiner Mutter für Politik interessiert, seit es dabei um Obama geht. Die Religionslehrerin, die als Kind die Berliner Rede von John F. Kennedy erlebte und sich nun so sehr freut, dass es ausgerechnet ihr Geburtstag ist, an dem Obama Berlin seinen Besuch abstattet. Die Studenten, die extra für die Rede aus Köln gekommen sind. Dazwischen viele, viele Amerikaner, die in Deutschland leben.

Die Fotografin Deborah zum Beispiel, Afroamerikanerin wie Obama selbst. Lohnt sich das Warten? "Ach", sagt Deborah. "Ich habe so viele Jahre darauf gewartet, dass ein schwarzer Mann Präsident wird. Was sind da zwei Stunden?"

Dann ist es so weit. Barack Obama schreitet zum Rednerpult. Der Erwartungsdruck, der auf ihm lastet, ist riesig. Auf ihn gerichtet sind die Kameras aus der ganzen Welt. Es ist die einzige Rede, die er während seiner Europareise in dieser Woche halten wird.