Am Mittwochabend gab es für einige Journalisten im Hauptpressezentrum der Olympischen Spiele in Peking ein kleines Geschenk: Ein Fuwa-Olympiamaskottchen aus bunten Perlen, gebastelt von Kindern der Dongxinfang-Grundschule im Mentougou District. Diese Geste war nett, sie konnte den Ärger vieler ausländischer Journalisten allerdings nicht besänftigen. Sie hatten zuvor erfahren, dass sie während der Olympischen Spiele – entgegen anderer Zusagen – von der chinesischen Zensur betroffen sein werden.

Ein Mitglied des Internationalen Olympischen Komitees (IOC) hatte erstmals öffentlich zugegeben, dass das IOC die Blockierung bestimmter Internetseiten während der Spiele akzeptiert. "Ich bin enttäuscht, dass der Zugang zum Internet nicht besser ist", sagte Kevan Gosper, Chef der IOC-Pressekomission, "aber ich kann den Chinesen nicht erzählen, was sie tun sollen." Wie im Rest des Landes werden auch im Hauptpressezentrum chinakritische Seiten der Organisationen Amnesty International, Human Rights Watch oder die chinesische Seite der Deutschen Welle blockiert.

Dabei hatte IOC-Präsident Jacques Rogge noch vor zwei Wochen erklärt, dass die Journalisten bei den Spielen unzensierten Zugang zum Internet hätten. Der IOC-Pressesprecher gab zu: "Ich habe erst neulich erfahren, dass einige IOC-Offizielle mit den Chinesen ausgehandelt haben, dass einige heikle Seiten geblockt werden." Daran werde sich jedoch "wohl nichts mehr ändern".

Auch Kevan Gosper hatte noch vor Wochen von freiem und unzensiertem Internet bei den Spielen gesprochen. "Wenn Sie in die Irre geführt worden sind von dem, was ich gesagt habe, dann entschuldige ich mich dafür", erklärte er. Zuvor bestätigte ein Sprecher des Pekinger Olympia-Organisationskomitees (Bocog) erstmals indirekt, dass im Hauptpressezentrum die Internetseite der sektenähnlichen Meditationsgruppe Falun Gong blockiert werden könnte. "Falun Gong ist eine bösartige, falsche Religion, die von der Regierung verboten worden ist", sagte Sun Weide und behauptete weiter: "Wir werden unsere Reporter mit ausreichendem und komfortablem Internetzugang versorgen."

Tatsächlich hat die chinesische Regierung im Frühjahr ehemals blockierte Seiten wie Wikipedia, BBC oder Youtube frei zugänglich gemacht. Die immer noch blockierten Seiten werden offenbar in China als nicht die Olympia-Berichterstattung betreffend eingestuft.

Verglichen mit der Situation vor zehn Jahren, gebe es tatsächlich positive Veränderungen, sagte Vincent Brossel, Leiter der Asien-Pazifik Abteilung der Organisation Reporter ohne Grenzen. Der Journalist beklagt im Interview mit der ZEITjedoch, dass das IOC die Journalisten allein lasse. "Eine freie Berichterstattung war ja eine der IOC-Forderungen. Jahrelang wurde uns erzählt, dass es keine Schwierigkeiten in Peking geben wird. Und jetzt, zehn Tage vor Olympia, wissen wir nicht, ob die ausländischen Journalisten vollen Zugang zum Internet haben."