Auf die Größe kommt es an

Die Fonds heißen DWS Investa, Dekafonds oder Unifonds. Jeder Einzelne von ihnen ist mehr als zwei Milliarden Euro schwer. So gut wie jeder deutsche Anleger, der bei seiner Hausbank nach Möglichkeiten fragt, in den heimischen Aktienmarkt zu investieren, lernt diese Flaggschiffe der Fondsindustrie kennen. Viele investieren ihr Geld in die Riesen - und erkennen zu spät, dass sie damit jede Hoffnung auf eine überdurchschnittliche Wertentwicklung zunichtemachen.

Betrachtet man die Entwicklung der drei genannten Fonds in den vergangenen zehn Jahren, zeigt sich: Ihre Kursverläufe unterscheiden sich über lange Strecken kaum von der Dax-Kurve. Keiner schaffte es, das Kursbarometer entscheidend hinter sich zu lassen, keiner fällt bedeutend ab. Die Fonds sind durchschnittlich, und mit ein bisschen Nachdenken wird dem Anleger auch klar, warum.

Um besser zu sein als "der Gesamtmarkt" – das erklärte Ziel jedes Fondsmanagers – müssen die Portfolioverwalter von dessen Aktienverteilung abweichen. Sie müssen Unternehmen untersuchen, günstige Aktien schneller finden als die Konkurrenz und dann so viele davon kaufen, dass sich der Aufwand lohnt. Doch nicht viele Aktien eignen sich für einen solchen Ansatz, schon gar nicht in einem gut entwickelten Markt wie Deutschland.

Die Fondsmanager weichen also gerne auf kleine Unternehmen aus, die nicht viele Analysten im Visier haben. Allzu klein dürfen diese Firmen jedoch auch nicht sein. Es nützt nichts, ein tolles Unternehmen zu finden, wenn man es anschließend komplett kaufen müsste oder mit ihm gerade einmal 0,5 Promille des Portfolios ausstatten könnte.

Ab einer gewissen Fondsgröße wird es deshalb haarig. Mit mehreren Milliarden im Rücken muss ein Fondsmanager hohe zweistellige Millionenbeträge bewegen, um mit dem Kauf eines Werts die Zusammensetzung seines Portfolios spürbar zu ändern. So hohe Handelbarkeit bieten aber nur noch sehr wenige Aktien. Ganz automatisch gleicht sich die Zusammensetzung des Fonds deshalb dem Index der handelbarsten Aktien an. Ein großer Fonds aus deutschen Aktien ähnelt dann stark dem Dax – und das bei einem Produkt, dessen höhere Gebühren dadurch gerechtfertig werden, dass es dank aktiven Managements besser sein soll als der Leitindex.

Einer der prominentesten deutschen Fondsmanager, Klaus Kaldemorgen von der DWS, spricht ungewöhnlich offen über das Thema. In einem Interview sagte er 2007 sinngemäß: "Als kleiner Fonds kann man es sich durchaus leisten, kleine, tolle Ideen ins Portfolio aufzunehmen. Leider Gottes kann ich das aufgrund der Größe meiner Fonds nicht."

Auf die Größe kommt es an

Leider können Anleger daraus keine einfachen Konsequenzen ziehen. Es hilft nicht, nur noch kleine Fonds ins Depot aufzunehmen. Ein Fonds hat auch laufende Kosten, muss Prospekte, Wirtschaftsprüfer, Anwälte, Aktientransfers finanzieren. Stecken in ihm nur ein paar Millionen Euro an Kapital, machen diese Kosten überdurchschnittlich viel Rendite kaputt.

Die optimale Fondsgröße lässt sich kaum in absoluten Zahlen festlegen. Sie hängt davon ab, wo und wie der Manager investiert. Versucht er, mit möglichst kleinen, unbekannten Aktien (Small-Caps) eine Überrendite zu erzielen? Dann sollte das Volumen seines Portfolios tendenziell kleiner sein als das eines Fonds, der auf Aktien mittlerer oder großer Unternehmen (Mid- oder Large-Caps) setzt. Auch verkraftet ein weltweit investierender Fonds natürlich mehr Finanzmittel als ein Nischenfonds, der auf ein kleines Land beschränkt ist. Als Faustregel gilt: Je größer das Anlageuniversum eines Fonds, desto größer kann auch sein Volumen sein.

Nicht wenige Investmenthäuser schließen ihre Fonds, wenn sie zu unbeweglich werden – allerdings längst nicht alle und nicht immer mit der nötigen Konsequenz. Denn das ist nur sinnvoll, wenn nicht gleich ein zweiter Fonds mit demselben Anlageschwerpunkt nachgeschoben wird, womöglich noch vom selben Manager verwaltet. Das nicht zu tun, fällt den Gesellschaften aber schwer, denn es kostet sie Einnahmen. Eine solch selbstlose Renditeoptimierung zum Wohle des Kunden ist in der Branche nicht an der Tagesordnung.

Für Anleger heißt es deshalb, beim Fondskauf auch ein Auge auf das Volumen zu werfen. Selbst bisher sehr ertragreiche Fonds können Opfer ihres Erfolgs werden, wenn ihre gute Performance zu viele Anleger anlockt. Wer überdurchschnittliche Renditen sucht, sollte sich nicht von schierer Größe beeindrucken lassen.

Stefan Mauer ist freier Wirtschafts- und Finanzjournalist in Köln.