In den kleinen Eckkneipen der meisten Bundesländer werden Raucher künftig wieder geduldet. Allerdings behalten sich einige Landesregierungen vor, das Rauchen in der Gastronomie in Zukunft generell zu untersagen - auch größere Gaststätten dürften dann keine Raucherräume mehr einrichten.

Das Bundesverfassungsgericht hatte am Mittwoch die Rauchverbote in Berlin und Baden-Württemberg gekippt, nachdem sich Wirte wegen der Einschränkung ihrer Berufsfreiheit beschwert hatten. Laut Urteil muss das Qualmen in beiden Ländern in Trinkkneipen mit weniger als 75 Quadratmetern und nur einem Raum ab sofort wieder gestattet werden - sofern Jugendliche keinen Zutritt haben. Nach den Worten der Karlsruher Richter wäre allerdings auch ein striktes Rauchverbot in allen Lokalen mit dem Grundgesetz vereinbar.

Noch am Tag des Urteils kündigten Bremen, Brandenburg, Hamburg, Hessen, Mecklenburg-Vorpommern, Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen, Schleswig-Holstein und Thüringen an, die Rauchverbote in kleinen Gaststätten aufzuheben oder zumindest nicht mehr durchsetzen zu wollen. Über Änderungen an den bestehenden Nichtraucherschutzgesetzen wird beraten. In Rheinland-Pfalz hatte der Verwaltungsgerichtshof des Landes bereits im Mai entschieden, dass in Ein-Raum-Gaststätten vorläufig weiter geraucht werden darf. Im Saarland sind solche Ausnahmen ohnehin im Nichtraucherschutzgesetz vorgesehen.

Brandenburgs Gesundheitsministerin Dagmar Ziegler (SPD) und Baden-Württembergs Sozialministerin Monika Stolz (CDU) wollen sich dagegen für ein ausnahmsloses Rauchverbot in allen Gaststätten einsetzen. Niedersachsens Gesundheitsministerin Mechthild Ross-Luttmann (CDU) sagte ebenfalls, sie habe "natürlich gewisse Sympathien für ein ganz striktes Rauchverbot". Auch Mecklenburg-Vorpommerns Sozialminister Erwin Sellering (SPD) sieht sich in seinem Bemühen um einen konsequenten Nichtraucherschutz bestärkt. Ihm liege aber sehr daran, "dass wir in Deutschland eine gemeinsame Lösung finden", wie er sagte.

Schleswig-Holsteins Ministerpräsident Peter Harry Carstensen (CDU) will sich ebenfalls für eine bundesweit einheitliche Regelung einsetzen. "Zumindest auf der Ebene der norddeutschen Länder wollen wir dieses Ziel erreichen", sagte er in Kiel. Sachsen-Anhalts Sozialministerin Gerlinde Kuppe (SPD) schlug vor, dass sich alle Länder und der Bund wieder an einen Tisch setzen und an den Nichtraucherschutz-Gipfel von Hannover 2007 anknüpfen.