Mein Chef will mich versetzen. Darf er das so einfach?, fragt P. Zanger

Sehr geehrter Herr Zanger,

Ihre Frage ist ohne mehr Informationen nicht ganz einfach zu beantworten.

Grundsätzlich gilt: Wo Sie arbeiten und welche Tätigkeiten Sie ausüben, wird durch ihren Arbeitsvertrag bestimmt. Ihr Arbeitgeber kann aber auch von sich aus bestimmen, ob Sie an einen anderen Arbeitsort versetzt werden - allerdings nur, wenn es eine entsprechende Klausel in ihrem Arbeitsvertrag gibt und auch nur soweit das Weisungsrecht greift.

Eine solche Klausel könnte so lauten: "Der Arbeitgeber behält sich vor, den Arbeitnehmer innerhalb des Unternehmens unter Beachtung der Kenntnisse und Fähigkeiten auch auf anderen Stellen zu beschäftigen. Mindert sich das Gehalt im Falle einer Versetzung aufgrund einer notwendig werdenden Eingruppierung in einer tieferen Vergütungsgruppe, so darf die Eingruppierung nicht mehr als zwei Vergütungsgruppen unterhalb der bisherigen Vergütungsgruppe vorgenommen werden."

Relevant ist aber auch das Betriebsverfassungsgesetz. Auch dieses definiert den Begriff "Versetzung". Es gibt also zwei Definitionen: die gesetzliche, betriebsverfassungsrechtliche und jene im Arbeitsvertrag. Beide gilt es zu beachten.

Laut dem Betriebsverfassungsgesetz handelt es sich immer dann um eine Versetzung, wenn ein Arbeitnehmer länger als einen Monat an einen anderen Arbeitsbereich verwiesen wird. Oder aber, wenn sich kurzfristig die Arbeitsumstände erheblich ändern. Wichtig ist dabei, wie erheblich die Veränderung ist: Wie ändert sich der Umfang der Tätigkeit? Wie ist der Arbeitnehmer in den Betrieb und den neuen Arbeitsort eingegliedert?

Wichtig ist auch: Nicht immer, wenn Aufgaben hinzukommen oder wegfallen, ändert sich rechtlich gesehen der Arbeitsbereich. Sondern nur dann, wenn die berufliche Veränderung grundlegend ist. Das ist etwa der Fall, wenn ein Mitarbeiter von der Forschung in die Produktion versetzt wird. Nicht aber, wenn ein Kreditsachbearbeiter in der Beratung auf einmal keine Altkunden mehr betreuen darf.