Der mehrfache Grammy-Gewinner Gil war einer der dienstältesten Minister Lulas. "Ich wollte schon früher aufhören. Ich fühlte, dass meine Arbeit getan war", sagte der Musiker. Gil gilt seit drei Jahrzehnten als einer der wichtigsten Künstler Brasiliens.

Auch in seiner Zeit als Minister ging er mehrfach auf Tournee. "Ich wurde deshalb oft kritisiert, aber meine Arbeit an der Spitze des Ministeriums spricht für sich", sagte Gil. Seine politische Karriere hatte 1989 als Stadtrat in seiner nordöstlichen Heimatstadt Salvador begonnen. Wegen seiner musikalischen Aktivitäten während seiner Amtszeit wurde Gil zum Teil heftig kritisiert. Als eines seiner Lieder von einer Bank Ende 2007 als Werbemelodie benutzt wurde, bezeichnete die Ethikkommission der Präsidentschaft dies als "unpassend für einen Minister". "Man darf ein öffentliches Amt nicht mit einer anderen Tätigkeit verbinden. Er war zu viel abwesend", sagte der Sänger Raimundo Fagner.

In den fünfeinhalb Amtsjahren verpasste Gil unter anderem sein Hauptziel: die Reform des Gesetzes zur Förderung der Kultur in Brasilien. "Gil hatte eigentlich kaum eine Chance, etwas zu tun. Die Kultur ist keine Priorität der Regierung Lula", klagte der Kinoregisseur Domingos Oliveira. Die Zeitung O Globo bedauerte allerdings den Rücktritt. "Die Regierung verliert ihren Pop-Anteil", hieß es in einem Kommentar.

In den sechziger Jahren war Gil zum einflussreichen Vertreter der Tropicalismo-Bewegung avanciert, die Bossa Nova mit Rock- und Popmusik verband. Er  prangerte damals auch in seinen Werken die unter der Militärdiktatur (1964-85) herrschenden Zustände scharf an. Als Regimegegner musste er zwei Monate ins Gefängnis und lebte danach eine zeitlang im Londoner Exil.