Das Unternehmen, das bundesweit 73 Warenhäuser betreibt, war wegen der Finanzprobleme des britischen Haupteigentümers Dawnay Day in Schwierigkeiten geraten. Hertie hat inzwischen bestätigt, wegen Zahlungsunfähigkeit die Eröffnung eines Insolvenzverfahrens beantragt zu haben. Ziel sei, den Geschäftsbetrieb ohne Unterbrechung fortzuführen, teilte ein Sprecher mit. Gespräche über eine finanzielle Sanierung oder eine Zwischenfinanzierung seien gescheitert.

Für den Fortbetrieb von Hertie seien Kredite nötig, hieß es aus Finanzkreisen. Über Sicherungen dafür werde intensiv verhandelt. Eine Möglichkeit stelle eine Landesbürgschaft dar, hieß es. Der Sprecher des NRW-Wirtschaftsministeriums, Joachim Neuser, machte dazu keine näheren Angaben. "Wir sind mit dem Unternehmen seit Tagen im Gespräch und werden einen möglichen Konsolidierungskurs konstruktiv begleiten", sagte er nur.

Als weiterer Ausweg wird der Hertie-Immobilienbesitz genannt, der in einer eigenen Gesellschaft von der Warenhauskette abgespalten ist. Einem Verkauf oder einer Beleihung der Grundstücke müssten aber natürlich die Eigentümer zustimmen. Dies wird angesichts der eigenen Probleme von Dawnay Day als unwahrscheinlich angesehen.

Die Dienstleistungsgewerkschaft ver.di erhob unterdessen Vorwürfe gegen den britischen Eigentümer. "Die Vertreter von Dawnay Day sind in den Aufsichtsratssitzungen zwar dabei, aber sie haben sich nicht aktiv um eine Lösung der Probleme bei Hertie bemüht", sagte der ver.di-Unternehmensbetreuer und Hertie-Aufsichtsrat Johann Rösch. Dawnay Day war nicht unmittelbar für eine Stellungnahme zu erreichen.

Bereits in der vergangenen Woche waren nach Medienberichten über finanzielle Schwierigkeiten des Eigentümers Befürchtungen aufgekommen, Hertie könnte in die Pleite gezogen oder verkauft werden. Dawnay Day hatten 2005 vom damaligen KarstadtQuelle-Konzern, der heutigen Arcandor, 74 kleinere Filialen übernommen, die unter dem Traditionsnamen Hertie betrieben werden. Medienberichten zufolge schrieb Hertie in den vergangenen beiden Jahren jeweils rund 30 Millionen Euro Verlust. Die Warenhauskette äußert sich dazu nicht.

Arcandor erwartet keine finanziellen Belastungen durch die in Schieflage geratene Warenhauskette Hertie. "Es hat keinerlei finanzielle Auswirkungen auf Arcandor", sagte ein Konzernsprecher am Donnerstag.