Alles begann mit einer 10.000-Mark-Spende 1989 – damals spielte die TSG noch in der Kreisliga. Heute schätzen Experten, dass der SAP-Gründer Dietmar Hopp insgesamt 100 Millionen Euro in "seinen" Verein investiert hat. 50 Millionen kostet allein das neue Stadion für 30.500 Zuschauer, das im Januar fertiggestellt werden soll. 20 Millionen machte Hopp im vergangenen Jahr für neue Spieler locker.

Aber Hopp ist kein Geldgeber, der sich einen Verein als Kapitalanlage und Spielzeug zulegt. Der Beiname "Kraichgau-Abramowitsch", der sich vor allem bei Fans klammer Traditionsvereine hält, passt nicht. Anders als der russische Öl-Magnat vom FC Chelsea kaufte Hopp kein fertiges "Produkt", sondern unterstützte den Verein, bei dem er einst selbst gespielt hat. Seine Millionen sollen die Grundlage schaffen, damit der Klub irgendwann auf eigenen Füßen stehen kann.

Aus dem Tagesgeschäft hält sich Hopp heraus. Ziel ist es, dass der Verein in der zweiten Bundesliga-Saison Gewinne erwirtschaftet und sich finanziell von seinem Gönner abnabelt. "Sportlicher Erfolg ist nicht planbar, aber ich denke, dass Leistung planbar ist", erklärt Cheftrainer Ralf Rangnick. Das bedeutet, dass das Geld des Förderers genutzt wird, um langfristig Ergebnisse zu erzielen. Das neue Stadion und das Trainingszentrum sind die sichtbarsten Maßnahmen. Dahinter bauen die Hoffenheimer eine ausgeklügelte Fußball-Infrastruktur auf. Videoanalysen vom Training, moderne Messtechnik und interne Datenvernetzung benutzte der Dorfverein schon in der zweiten Liga, in einigen Bereichen war sogar fortschrittlicher als die großen Klubs.

Das Trainerteam wird von Bernhard Peters und Hans-Dieter Hermann unterstützt. Peters, ehemaliger Hockey-Bundestrainer, leitet die Nachwuchsförderung. Die Erfolge sind sichtbar: Die B-Jugend (U17) holte vergangene Saison die deutsche Meisterschaft, der DFB erhob das Fußballinternat zu einer von sechs "Eliteschulen des Fußballs" in Deutschland.

Ralf Rangnik gibt die Richtung vor, seine talentierte, junge Mannschaft folgt ihm - bis in die erste Bundesliga. © Christof Koepsel/Bongarts/Getty Images

Hermann ist einer der anerkanntesten Sportpsychologen im Land und betreut unter anderem auch die Fußballnationalmannschaft. Er und Ralf Rangnick kennen sich gut: Vor zehn Jahren hatte der Trainer Hermann zum Sport gebracht und ihn zum SSV Ulm geholt.

Rangnick selbst darf in Hoffenheim sein favorisiertes Fußball-Konzept umsetzen. Nach seinen Vorgaben wählt Manager Jan Schindelmeiser die Neuzugänge aus, der Trainer baut sie in sein System ein. In der Defensive setzt Rangnick dabei auf aggressives Pressing: Alle Akteure müssen viel laufen und den ballführenden Spieler unter Druck setzen. Nach einem Ballgewinn sollen sie schnell und direkt nach vorne spielen. Diese Vorgaben erfüllte das Team vor allem in der Rückrunde nahezu perfekt und gewann 12 von 17 Spielen.

Diese präzise und erfolgreiche Umsetzung des taktischen Systems hatten viele Experten von den Hoffenheimer Jungspunden nicht erwartet: Der brasilianische Spielmacher Carlos Eduardo ist erst 21, ebenso "Sechser" Luiz Gustavo. Die Stürmer Demba Ba und Chinedu Obasi sind 23 und 22 Jahre alt.

Zum Bundesligastart wird 1899 in Cottbus vermutlich mit der jüngsten Mannschaft der Spielklasse auflaufen. Die Unerfahrenheit sieht Rangnick aber nicht als Problem. "Zurechtfinden und etablieren" sollen sich seine Schützlinge in dieser Saison, sagt der Fußballlehrer. Rangnick hat Vertrauen in seine Mannschaft: "Die Erfahrung fehlt, aber technisch starke Spieler können eher ein Spiel aufziehen."

Dieses Vertrauen zeigt sich auch darin, dass der 21-Jährige Andreas Beck bisher der einzige namhafte Neuzugang ist. Zwei Verteidiger und einen Stürmer würden die Nordbadener bis zum Ende der Transferperiode am 31. August gerne noch verpflichten.

Ein unendliches Budget steht Manager Jan Schindelmeiser aber nicht zur Verfügung. Nach den großen Transfers des vergangenen Sommers herrscht in diesem Jahr Bescheidenheit. 23 Millionen Euro stehen für diese Saison als Etat zur Verfügung. Damit befindet sich Hoffenheim im unteren Drittel der Bundesliga.

Leistungsmäßig sieht Ralf Rangnick seine Mannschaft in höheren Regionen: Für das Debütjahr peilt er einen Platz im gesicherten Mittelfeld an. Der Geldgeber gewährt seinem Trainer freie Hand. Selbst im Falle eines Abstiegs stünde Rangnick nicht zur Disposition, sagt Hopp. Angst vor einem sofortigen Rückfall in die Zweitklassigkeit geht im kleinsten Bundesliga-Ort (3300 Einwohner) aber nicht um: Die Mannschaft ist stark, und mit den SAP-Millionen können notfalls im Winter doch noch einige erfahrene Spieler verpflichtet werden.

Für den Erfolg wird sich in Nordbaden niemand entschuldigen, auch wenn der Verein nicht die Tradition des 1.FC Kaiserslautern oder 1. FC Köln hat. "Es ist im Sport wie in der Wirtschaft. Es kommen neue Firmen hoch, und die müssen akzeptiert werden. Unsere Tradition ist die Zukunft", sagt Dietmar Hopp. Das System Hoffenheim bestätigt sich durch Siege.