"Lufthansa ist auf uns zugekommen", sagte ver.di-Sprecher Harald Reutter am Donnerstag. Erstmals seit dem Scheitern der Verhandlungen vor drei Wochen spreche man nun miteinander. Auswege aus dem Tarifstreit seien aber noch nicht in Sicht. "Wir können bestätigen, dass es Kontakte gibt", sagte Lufthansa-Sprecher Andreas Bartels. Details wollten beide Seiten nicht nennen. Ver.di hatte als Vorbedingung für die Wiederaufnahme von Verhandlungen verlangt, dass Lufthansa ein deutlich nachgebessertes Angebot signalisieren müsse. Gewerkschaftssprecher Reutter sagte, das Angebot zu reden sei aus dem Vorstand des Unternehmens selbst gekommen.

Der Streik geht unterdessen weiter. Insgesamt rechnet die Lufthansa am Donnerstag mit 128 Flugausfällen, 28 davon auf der Langstrecke. Das Unternehmen hatte einen Sonderflugplan bis einschließlich Montag ausgearbeitet, mit dem die Zahl der Flüge im klassischen Europaverkehr einschließlich Deutschland um rund zehn Prozent reduziert wird. Ein neuer Flugplan für Interkontinentalflüge solle in Kürze folgen, hieß es am Mittwoch. Zudem kündigte das Unternehmen bei der Vorlage der Halbjahresbilanz neue Sparmaßnahmen an und verhängte für das Passagiergeschäft einen Einstellungsstopp.

In Berlin weitete ver.di ihren Streik am Donnerstag sogar aus. Es seien alle Geschäftsfelder in den Arbeitskampf einbezogen worden, sagte ver.di-Sekretärin Doris Fiedler auf einer Kundgebung vor der Haupthalle des Flughafens Tegel. Etwa 50 Streikende hatten sich dort versammelt. Unterdessen gab es weiterhin unterschiedliche Angaben zu den Folgen des Streiks für den Frachttransport. Nach Angaben von ver.di ist der Umschlag von Gütern am zentralen Drehkreuz Frankfurt weitgehend zum Erliegen gekommen. Lufthansa Cargo wies dies zurück. "Es läuft weitgehend normal", sagte Sprecher Stefan Hartung. Es würden verstärkt Fremdfirmen eingesetzt, auch seien Mitarbeiter aus dem Ausland aktiv. Frankfurt ist einer der weltweit größten Frachtflughäfen.

Lufthansa-Chef Wolfgang Mayrhuber warb in einem offenen Brief für einen Kompromiss. Er hoffe, "dass der Dialog aufgegriffen und ein realistischer Kompromiss gefunden wird." "Mit der Brechstange sichert man sich keine Zukunft", schrieb Mayrhuber. Ein andauernder Streik habe einen nachhaltigen Rückschlageffekt. "Jeder Techniker weiß, was passiert, wenn man die Schraube
überzieht." Zugleich betonte der Lufthansa-Chef, dass nur eine Minderheit der Beschäftigten sich am Streik beteilige. "Es ist in meinen Augen kein Streik der Lufthanseaten gegen Lufthansa, es ist ein Streik von ver.di mit gewissen Schwerpunkten im Unternehmen."

Die Gewerkschaft warf Mayrhuber in einer ersten Reaktion vor, die Belegschaft spalten zu wollen. Mayrhuber unterteile die Mitarbeiter in Gute und Böse, sagte ein Sprecher. Ein Lufthansa-Sprecher sagte dagegen, Mayrhuber habe sich mit dem Brief an die gesamte Belegschaft gewandt.

Der Streik beim Catering sei "bitter, aber mit sehr hohem Aufwand können wir die Auswirkungen begrenzen", schrieb Mayrhuber. Der Frachtbereich kämpfe, komme aber noch einigermaßen über die Runden. "Die Technik ist naturgemäß hochkritisch", erklärte Mayrhuber. Durch fehlende Wartung hatte Lufthansa bereits zahlreiche Flüge streichen müssen.