Mehr als 70 Artikel enthält die offizielle Reisetasche der deutschen Olympia-Athleten. 90 Prozent davon ist Bekleidung. Neben Anzügen und Kostümen für festliche Anlässe gibt es Trainings- und Freizeitoutfits, Krawatten, Tücher, Turnschuhe, Badelatschen, Sonnenbrillen, ein Portemonnaie, verschiedene Taschen, Sonnencreme und diverse Kosmetikartikel. Die Neuheit in diesem Olympia-Jahr: Ein iPod. "Allerdings nur für die 440 Sportler", betont ein Sprecher des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB). Alle anderen 750 Teammitglieder, Trainer, Ärzte, Bürokräfte, bekommen keinen modernen MP3-Player.

Walter Tröger ist deutsches IOC-Mitglied und Mitglied im Präsidium des DOSB. Der 79-Jährige nahm 1964 zum ersten Mal in offizieller Funktion bei den Sommerspielen in Japan teil. "Sponsoren gab es damals noch nicht", sagt er. Die Athleten der Bundesrepublik und der DDR traten damals noch als gemeinsame Mannschaft auf. "Aus politischen Gründen musste die Kleidung genau zwischen bundesdeutschen und DDR-Athleten geteilt werden." Es gab heftige Grabenkämpfe um die Artikel aus westdeutscher Produktion.

In den sechziger und siebziger Jahren mussten die Ausstatter streng haushalten. Damals bezahlte die Bundesregierung die Bekleidung der Athleten. "Wir mussten uns über alle Ausgaben mit dem Bundesrechnungshof auseinandersetzen", erinnert sich Tröger. "Aus Spargründen haben zum Beispiel die Physiotherapeuten keine Ausgangskleidung bekommen." Für die Sommerspiele 1972 in München und 1976 in Montreal habe die staatliche Unterstützung für die Ausstattung etwa 300.000 bis 400.000 Mark betragen. "Gemessen an heutigen Maßstäben ist das lächerlich."

Rund zehn Jahre nach den Spielen in Montreal begann das Nationale Olympische Komitee (NOK) die Olympischen Ringe auch in Deutschland zu vermarkten. Damit kamen die großen Sponsoren wie Adidas, Puma und Bogner ins Spiel. Die Beträge pro gesponsorter Tasche stiegen von Olympiade zu Olympiade: Im Jahr 2000 kostete ein komplettes Outfit 2600 Mark. Heute rechnet der DOSB mit 2500 bis 3000 Euro pro Tasche. Die Symbiose zwischen Sport und Sponsoren ist nicht mehr wegzudenken.

Die Einkleidung der Olympia-Athleten ist auch in diesem Jahr wieder medienwirksam inszeniert worden. Olympische Ringe und Adidas-Streifen bilden das Muster der Spiele in Peking. Das Geben und Nehmen von Sport und Werbung ist so selbstverständlich geworden, dass man sich kaum vorstellen kann, dass es einmal anders gewesen sein könnte.

Wie viel es sich Hauptsponsor Adidas kosten lässt, die Athleten für die Wettkämpfe in Peking auszustatten, verrät der Konzern allerdings nicht. Orientiert man sich an den Angaben des DOSB, wonach Adidas zwei Drittel der Bekleidung stellt, kommt man - vorsichtig geschätzt - auf 1,3 Millionen Euro an reinen Sachkosten. Die tatsächliche Summe dürfte ein Vielfaches betragen.