Der Präsident hält eine große Frauenhandtasche vor die Kameras. In aller Seelenruhe dreht und wendet er das Prunkstück von Luis Vuitton und scherzt dabei mit der Presse. "C’est pour Carla", raunt Sarkozy den Medienvertretern verschwörerisch zu. Bereitwillig lässt er auch den zweiten Teil seines Geschenks aus der Einkaufstüte herausholen und dem geneigten Publikum präsentieren.

Diese Szene, festgehalten in einem Video-Ausschnitt auf YouTube, charakterisiert  deutlich, was Sarkozy für viele Franzosen darstellt: Er ist ein "Nouveau Riche", ein Neureicher, der aller Welt zeigen muss, was er hat. 

Angenommen, Angela Merkel würde vor versammelter Presse eine Armani-Krawatte herumzeigen, die sie ihrem Ehemann Joachim Sauer zum Hochzeitstag schenken wollte – die Boulevardpresse würde sich auf sie stürzen. Ihrem Vorgänger Gerhard Schröder haftete der Beiname "Brioni-Kanzler" noch jahrelang an. Während es für deutsche Politiker heute schon als dekadent gilt, ihre Ferien außerhalb der Schwäbischen Alb oder einer kleinen Ostseeinsel zu verbringen, rechnen die Franzosen mit wachsender Wut nach, wie viel ihr frisch verliebter Präsident für seinen Luxus-Ausflug mit Carla Bruni in Ägypten verprasst.

Der Präsident verhalte sich wie "ein protzender Milliardär", wetterte die Kommunistische Partei Frankreichs (PCF). Es sei "würdelos", dass sich das Paar mit einem Privatjet von Sarkozys Unternehmerfreunds Vincent Bolloré nach Ägypten fliegen habe lassen. Die Zeitung Libération prägte in Anspielung auf die mit Gold und Glamourgirls protzenden Gangsterrapper den Begriff "Präsident Bling Bling".

Die Zeitschrift Paris Match bringt diesen Vorwurf in einem Werbespot  auf den Punkt. Dort sieht man zunächst ein Luftbild von Frankreich und hört dann eine Stimme im typischen Sarkozy-Slang: "Das ist nicht Frankreich, das ist ein Platz, wo sehr viele Leute für mich gestimmt haben." Das nächste Bild zeigt den Regierungssitz des französischen Präsidenten: "Das ist nicht das Elysée, das ist, wo ich wohne, wo ich geheiratet habe", kommentiert die Stimme. Und zum Foto von Carla Bruni nuschelt sie: "Das ist nicht einfach eine Sängerin und ein Topmodel, sondern meine neue Frau, für mich ganz allein. Wollen Sie, dass ich von meiner neuen Rolex erzähle?"

Das Faible des Präsidenten für Luxus-Uhren bietet immer wieder Stoff für Satiren - so auch in einem Videoclip, der Carla Brunis Lancia-Autowerbespot aufs Korn nimmt. Während die Diva sich lasziv auf dem Rücksitz räkelt und "Bang Bang" säuselt, saust ständig ein dauergrinsender Sarkozy durchs Bild und intoniert nicht minder sanft den Refrain "Bling Bling". Am Schluss hält er cool seine Rolex ins Bild - und lässt darin Carlas imaginäre Pistolenkugeln abprallen.