Das verdammte Kreuz will nicht brennen. Die Kameraden vom "Sturm 34" sind zu einer Feier in einen Jugendclub im Erzgebirgsort Stollberg eingeladen, aber es gibt Probleme mit dem emotionalen Höhepunkt. Erst als ein Kamerad brennbare Flüssigkeit über das Kreuz schüttet, springt eine Stichflamme in die Nacht. Einige heben den rechten Arm zum Hitlergruß, gemeinsam singen sie ein Lied vom Ku Klux Klan. Danach marschieren sie zu einer nahe gelegenen Tankstelle. Mit einem Faustschlag bestimmt ein Kamerad das Opfer für diesen Abend. Ein anderer kommt hinzu, zusammen prügeln sie auf den Mann ein, der am Boden liegt.
So beschrieb es nach dem brutalen Überfall vor zwei Jahren ein Beteiligter den Ermittlern. Vor Gericht erinnert sich ein Zeuge, dass Kameraden blutverschmiert in den Club zurückgekehrt seien.
Das Dresdner Landgericht hat heute die Urteile gegen fünf mutmaßliche Führungskader von "Sturm 34" gesprochen, Deutschlands brutalster Neonazi-Kameradschaft. Das Gericht verurteilte den mutmaßlichen Anführer Tom W., 20, und dessen drei Jahre älteren Bruder Peter wegen des Angriffs in Stollberg und weiterer Überfälle zu Jugendhaftstrafen von dreieinhalb und drei Jahren. Ein weiteres Mitglied erhielt eine Bewährungsstrafe. Zwei Angeklagte wurden freigesprochen, darunter Matthias R., 41, der sich dem Staatsschutz als Informant angedient hatte.
Das Gericht sprach von einer außergewöhnlichen Brutalität, mit der die Täter vorgegangen seien. Nur durch glückliche Umstände habe es keine Toten gegeben. Die Bezugnahme der "Sturm 34"-Mitglieder auf nationalsozialistisches Gedankengut zeige überdies tiefen Rassismus.
Vom Hauptanklagepunkt, eine kriminelle Vereinigung gebildet zu haben, sprachen die Richter die Angeklagten jedoch frei. Dafür reichten ihnen die Indizien aus den zahlreichen Aussagen von Zeugen nicht aus.
So berichtete ein Außenseiter der Gruppe, den sie als Fahrer benutzten, von der Gründungsveranstaltung im schäbigen Bauhof 2006. Dort habe einer der jetzt freigesprochenen Angeklagten angekündigt, die Kameradschaft, benannt nach einer SA-Einheit, wolle die Region von "Zecken" säubern und mit Gewalt eine national befreite Zone schaffen.