Es ist ein weiteres Kapitel im Kampf zwischen alter und neuer Medienwelt: Der Medienkonzern Mediaset, mehrheitlich in der Hand des italienischen Ministerpräsidenten Silvio Berlusconi, will das Videoportal YouTube und dessen Mutterunternehmen Google verklagen. Mediaset will Schadensersatz, weil YouTube illegal Musik und Videos vertrieben habe, die Mediaset gehörten. Allein an einem Tag will das Unternehmen mindestens 4600 illegale Kopien auf den Seiten von YouTube gefunden haben. Der Streitwert: 500 Millionen Euro. Der geplante Streitort: Italien.

Letzteres macht den Vorgang besonders. YouTube muss sich dieser Tage mit mehreren Medienhäusern und Sportverbänden herumschlagen, die mit dem gleichen Ziel gegen das Portal vorgehen, darunter ein Gerichtsverfahren, das der amerikanische Medienkonzern Viacom gegen Google führt. Auch hier geht es um den enormen Streitwert von einer Milliarde Euro. Nur wird der Prozess vor einem New Yorker Gericht ausgetragen – nach den Regeln des amerikanischen Urheberrechts.

Dieses wurde vor elf Jahren erlassen und besagt: Wenn auf einer Internetseite illegale Inhalte auftauchen, dann gilt der Betreiber dieser Seite als unschuldig – sofern er diese sofort entfernt, nachdem er davon erfahren hat.

Darauf beruft sich Google: Man habe die Clips umgehend von der Seite genommen. Außerdem hat der Konzern eine Filter-Software installiert, die den Medienkonzernen verraten soll, welche Clips auf YouTube ihnen gehören. Das soll die US-Gerichte beruhigen.

In Italien aber könnte ein Prozess nach anderen Regeln gespielt werden. Offenbar schätzen die Anwälte von Mediaset die Rechtslage in Italien günstiger ein als in den USA. Und der italienische Premier hat in der Vergangenheit immer wieder bewiesen, dass Geld und Macht bei ihm Hand in Hand gehen, und dass er durchaus seine Macht einsetzen kann, um die Geschäfte seines Medienimperiums zu befeuern.

Zwar fügte auch ein amerikanisches Gericht Google zuletzt eine Niederlage zu und verdonnerte den Konzern dazu, Nutzerdaten in großem Stile an Viacom herauszugeben. Experten sehen das Unternehmen jedoch durch die Rechtslage in den USA vor Schadensersatzforderungen besser geschützt als in Europa. Dort muss sich Google seit April auch mit dem französischen Fernsehsender TF1 herumschlagen, der 100 Millionen Euro Schadensersatz fordert, weil YouTube unerlaubt Inhalte übernommen haben soll.