Unmittelbar vor einem Treffen der EU-Außenminister warf der britische Ressortchef David Miliband Russland am Mittwoch eine offene Aggression vor und drohte mit Konsequenzen. Ein französischer Regierungsvertreter gab dagegen dem georgischen Präsidenten Micheil Saakaschwili die Schuld an der Eskalation des Konflikts um die abtrünnige Region, warf Russland aber eine Überreaktion vor. Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier warnte vor einer Verurteilung Russlands und plädierte für einen Dialog mit den Regierungen in Moskau und Tiflis.

Die EU-Außenminister wollten über die Lage nach dem Waffenstillstandsplan beraten, den der französische Präsident Nicolas Sarkozy ausgehandelt hatte. Frankreichs Außenminister Bernard Kouchner wollte seine EU-Kollegen darüber unterrichten. Er schlug EU-Friedensbeobachter für die Konfliktregion vor. Auf Wunsch der französischen Ratspräsidentschaft sei eine gemeinsame Erklärung nicht geplant, sagte ein EU-Vertreter.

Der britische Außenminister Miliband brachte indirekt den Abbruch der Gespräche mit Russland über ein Partnerschaftsabkommen ins Gespräch. Darüber sollten die Minister im September beraten. "Der Anblick russischer Panzer, die in Teile eines Nachbarlandes einmarschieren, hat vielen einen kalten Schauer den Rücken heruntergejagt", sagte der Minister im BBC-Hörfunk. Auf diese Weise könnten internationale Beziehungen im 21. Jahrhundert nicht betrieben werden. Russland müsse klar gemacht werden, dass es nicht nur Rechte, sondern auch Pflichten habe. "Und wenn Verantwortung nicht wahrgenommen wird, muss es Konsequenzen für Russland geben." Neben den Briten hatten vor allem osteuropäische EU-Mitglieder das Vorgehen der russischen Führung verurteilt.

Die französische Seite sieht die Verantwortung dagegen bei Georgien. "Saakaschwili war verrückt loszuschlagen und mitten in der Nacht eine Stadt zu bombardieren", sagte ein Mitarbeiter Sarkozys. Der georgische Präsident sei den Russen in die Falle gegangen. "Er hat gezockt und verloren." Die Georgier hätten geglaubt, der russische Ministerpräsident Wladimir Putin würde während der Olympischen Spiele keine Vergeltung üben. Allerdings hätten Putin und Präsident Dmitrij Medwedjew mit ihrer harten militärischen Reaktion überzogen und würden nun als Aggressoren hingestellt. "Putin sagt, er sei sich dessen voll bewusst", sagte der französische Regierungsvertreter.

Steinmeier warnte vor einseitigen Schuldzuweisungen. "Ich halte nichts davon, dass wir uns heute in sehr langen Diskussionen über Verantwortung und Urheberschaft der Eskalation der letzten Tage verlieren." Die EU müsse sich fragen, welche Rolle sie in Zukunft spielen wolle, etwa bei der Absicherung des Waffenstillstands und der weiteren Stabilisierung. Statt "starke Statements mit einseitigen Verurteilungen zu verabschieden" solle die EU "mit Blick auf die Zukunft eine wirkliche Rolle bei der weiteren Stabilisierung übernehmen", forderte Steinmeier. Dafür müssten die Gesprächskanäle sowohl zur georgischen Regierung nach Tiflis als auch zur russischen in Moskau offenbleiben.