Manchmal bewegt sich die Börse im Takt mit fundamentalen wirtschaftlichen Entwicklungen. Zum Beispiel in den vergangenen Monaten, als die Aktienmärkte aufgrund der Immobilien- und daraus folgenden Bankenkrise unter die Räder kamen.

Manchmal aber weisen die fundamentalen Entwicklungen in unterschiedliche Richtungen. Dann ist an den Märkten vieles möglich. So wie vor wenigen Tagen, als der Euro gegenüber dem Dollar völlig überraschend absackte. Innerhalb eines knappen Monats fiel sein Wechselkurs um zehn Cent. Plötzlich notiert die Einheitswährung unter der Marke von 1,50 Dollar.

Was ist geschehen? An den düsteren Aussichten der US-Wirtschaft gibt es nichts zu deuteln. Das Land steckt in einer Rezession, auch wenn sie noch nicht offiziell ausgerufen wurde. Die Notenbank Fed ließ in der vergangenen Woche den Leitzins unverändert. Zinssenkungen sind von ihr erst einmal nicht zu erwarten.

In Euroland hingegen wandelt sich etwas - zum Schlechteren. Die jüngsten Äußerungen von Jean-Claude Trichet, dem Präsidenten der Europäischen Zentralbank, haben jede Hoffnung auf weitere Zinserhöhungen zerstört. Gleichzeitig wächst der Konjunkturpessimismus. Zwar könnte die Sorge um Europas Wirtschaft übertrieben sein, doch die Börsianer scheinen sie ernst zu nehmen. Am Währungsmarkt bringt das die Investoren dazu, ihr Geld wieder in Dollar anzulegen. Der Euro fällt.

Letztlich brachen die Dämme, als beim Kurs von 1,53 Dollar je Euro eine technische Unterstützung unterschritten wurde. Die Folge: Innerhalb eines Tages veränderte sich der Kurs so stark wie seit Monaten nicht.

Jetzt heißt es, sich neu zu sortieren. Es ist noch nicht lange her, dass der Euro die 1,70-Dollar-Marke anpeilte. Diese Zeiten dürften erst einmal passé sein – zumindest, bis die fundamentalen Erwartungen sich wieder drehen. Solange in Euroland der Konjunkturpessimismus regiert, kann der Euro nicht nennenswert zulegen. Die ehemalige Unterstützungslinie beim Kurs von 1,53 Dollar gilt nun als Barriere auf seinem Weg nach oben. Erst wenn die europäische Währung sie überwindet, ist ein erneuter Aufstieg möglich.

Conrad Mattern ist Vorstand der Conquest Investment Advisory AG und Lehrbeauftragter an der Ludwig-Maximilians-Universität München.