Vier Millionen Wahlberechtigten konnten die Frage mit Ja oder nein antworten. Morales rief dazu auf, das Ergebnis zu akzeptieren. "Die Ergebnisse müssen respektiert werden. Ab morgen wird das Volk in Einigkeit die tiefgreifenden Veränderungen vorantreiben", zeigte sich Morales siegessicher.

Letzten Umfragen vor der Abstimmung zufolge sah es nicht so aus, als ob die Opposition die notwendige Mehrheit von Nein-Stimmen für ein vorzeitiges Ende der Amtszeit von Morales und seines Stellvertreters Alvaro García Linera zusammenbekommen werde. Die Latte lag hoch: die Opposition musste mindestens eine Nein-Stimme mehr gegen Morales erhalten, als die Zahl der Stimmen, mit denen der Staatschef Ende 2005 gewählt worden war.

Ihr Amt verlieren könnten jedoch mehrere der acht Präfekten des Landes, über die ebenfalls abgestimmt wird. Die Chefs der Departements, deren Stellung entfernt der deutscher Ministerpräsidenten in Bundesländern ähnelt, müssen mindestens 50 Prozent plus eine Stimme erhalten. Besonders das Abschneiden der vier oppositionellen Departements in Santa Cruz, Beni, Pando und Tarija wurde mit Interesse verfolgt. Dort hatte die Opposition im Mai und Juni bei regionalen Referenden für eine weitgehende Autonomie von der Zentralregierung große Mehrheiten erzielt. Allerdings galten sie als verfassungswidrig und werden von Morales nicht anerkannt.

Die Lage in dem südamerikanischen Armenhaus war äußerst gespannt. Politische Beobachter bezweifelten, dass sich die jeweiligen Verlierer der Abstimmung der Mehrheit beugen würden. Kern des Konflikts mit den wohlhabenderen Nachfahren europäischer Einwanderer ist der Versuch von Morales, den Wohlstand aus dem rohstoffreichen Osten und Süden des Landes zugunsten der vor allem im westlichen Hochland lebenden Indios umzuverteilen. Sie werden seit Jahrhunderten benachteiligt. Die Gegner der Regierung werfen Morales vor, er wolle die Indios privilegieren.