Wissen sie es nicht besser? Das fragt man sich bei China öfters – wenn die Staatmacht mal wieder unnötig ihre Macht demonstriert und das eigene Image dabei ungeniert ramponiert. Eindrücklichstes Beispiel: die angekündigte Onlinezensur westlicher Journalisten während der Olympischen Spiele.

Eigentlich handelt es sich auch aus Sicht des Regimes um eine absurde Sache: Der Erlass erzürnt die westliche Medienwelt. Und gleichzeitig bringt er keinen ersichtlichen Nutzen für den chinesischen Staat. 

Dass die Regierung die Seiten chinesischer Blogger sperren und auflösen lässt, die über Umweltkatastrophen oder die Verletzung von Menschenrechten schreiben, ist bei einem autoritären Regime nicht verwunderlich. Dass aber Nachrichtenseiten wie die der Deutschen Welle oder der BBC immer wieder über lange Zeit aus China heraus blockiert sind, ist unsinnig – mal abgesehen davon, dass es auch ein Vergehen an der Pressefreiheit ist. 

Erstens sind die meisten Seiter großer ausländischer Medien längst frei zugänglich. Zweiten bewegt es die große Mehrheit der Chinesen eher wenig, was kritische ausländische Seiten berichten. Viele tun die Artikel als unrechte Angriffe des Westens ab. Und viele interessiert es schlicht nicht.

Und jene, die gut genug Englisch oder Deutsch können und sich doch interessieren, wissen auch, wie man auf die verbotenen Seiten gelangt . Dafür muss man nicht mal komplizierte Systeme auf dem eigenen Rechner installieren. Für reine Textseiten reicht es in der Regel, Proxy-Seiten im Netz aufzusuchen, die die eigene Identität, die IP-Adresse, verschleiern. Etwa anonymouse.org . Dort tippt man die Adresse der "verbotenen Seite" ein, wartet vielleicht einen Tick länger als normal, dann lädt sie sich auf den Schirm.