Der Kaukasuskrieg weitet sich aus. Die Führung in Moskau bestätigte Angaben des georgischen Innenministeriums, wonach russische Truppen in die 40 Kilometer von Abchasien entfernte Stadt Senaki vorgedrungen sind. Dutzende gepanzerte Fahrzeuge seien in der Stadt, die außerhalb einer Pufferzone an der Trennlinie zwischen Abchasien und Georgien liegt. Ziel sei es, neuerlichen Artilleriebeschuss auf Südossetien und georgische Truppenbewegungen zu verhindern, hieß es in einer Erklärung des russischen Verteidigungsministeriums.

Russland wies einen georgischen Vorschlag für einen Waffenstillstand zurück. Die russische Militärführung bekräftigte, in Georgien keinen Eroberungskrieg zu führen. Russlands Präsident Dmitrij Medwedjew kündigte ein baldiges Ende der Kämpfe an. "Ein wesentlicher Teil des Einsatzes mit dem Ziel, die georgische Regierung zu einem Friedensschluss in Südossetien zu zwingen, ist abgeschlossen", erklärte Medwedjew.

Moskau bemühte sich um eine Sondersitzung des Nato-Russland-Rats, die am Dienstag in Brüssel stattfinden solle, sagte der russische Botschafter Dmitri Rogosin. Nato-Generalsekretär Jaap de Hoop Scheffer und US-Präsident George W. Bush hatten den Russen ein überzogenes Vorgehen in Südossetien vorgeworfen.

Wladimir Putin warf dagegen dem Westen Verdrehung der Tatsachen und Zynismus vor. Er mache aus dem Aggressor des Konflikts ein Opfer. Die USA hätten zur Störung der Lage beigetragen, indem sie bis zu 2000 georgische Elitesoldaten aus dem Irak mit US-Transportmaschinen in den Südkaukasus geflogen hätten, sagte Putin laut der Agentur Interfax in Moskau. Das Kontingent war vom georgischen Präsidenten Michail Saakaschwili zurückgerufen worden. Es sei "zynisch", den "eigentlichen Aggressor" Georgien nun als Opfer vermeintlicher russischer Gewalt auszugeben, kritisierte Putin.

Den früheren irakischen Diktator Saddam Hussein habe man einst wegen seiner Verbrechen gegen das eigene Volk hingerichtet, sagte der Regierungschef. Im Vergleich dazu nehme der Westen die georgische Regierung in Schutz, obwohl diese "ossetische Dörfer ausgelöscht" sowie Kinder und ältere Menschen ermordet habe, kritisierte Putin.

Den russischen Waffengang im Südkaukasus nannte der frühere Kremlchef eine "Friedensmission". Moskau habe die internationale Gemeinschaft oft vor georgischen Kriegsvorbereitungen gewarnt. "Aber niemand hat uns zugehört. Jetzt ist das Ergebnis da, das wir erwartet haben. Wir werden unsere Friedensmission bis zu ihrer logischen Vollendung durchführen", kündigte Putin an. Die Regierung in Moskau werde den russischen Soldaten, die in die Kampfhandlungen verwickelt seien, den Sold erhöhen, kündigte der 55-jährige Regierungschef an.