Ungeachtet westlicher Vermittlungsversuche bleibt die Lage im Südkaukasus weiter extrem angespannt. Georgien warf Russland am Montag eine Invasion und Okkupationspolitik vor und bat die internationale Gemeinschaft um Hilfe. Etwa 50 russische Bomber hätten in der Nacht georgische Städte und Dörfer unter Feuer genommen, teilte die Regierung in Tiflis mit. Zehntausende Georgier seien inzwischen auf der Flucht. Was nun geschehe, sei "der schlimmste Alptraum" für sein Land, so Saakaschwili in Tiflis.

Am Morgen gab es in dem von Georgien abtrünnigen Gebiet Südossetien bei Gefechten erneut Tote. In der Hauptstadt Zchinwali seien drei Soldaten der Friedenstruppen durch georgischen Artilleriebeschuss getötet worden. Das teilte eine Behördensprecherin nach Angaben der russischen Agentur Interfax mit. 18 Soldaten seien verletzt worden.

Nch Auskunft des georgischen Innenministeriums sei auch die Stadt Gori seit den Nachtstunden Angriffsziel russischer Kampfflugzeuge und Artillerie. Die 50.000 Einwohner zählende Stadt stehe unter heftigem Beschuss, sagte ein Sprecher. Gori liegt auf georgischem Hoheitsgebiet unweit der Grenze zur abtrünnigen Provinz Südossetien. Laut Behörden bereiten die russischen Bodentruppen einen Angriff auf die Stadt vor. Damit ist ein beidseitiger Waffenstillstand in weite Ferne gerückt.

Kurz zuvor hatte schon Präsident Saakaschwili mitgeteilt, dass russische Panzer auf georgisches Kernland vorgerückt seien. Die russischen Einheiten beschränkten sich nicht auf die Präsenz in der umstrittenen Region Südossetien, sondern seien direkt in das georgische Kernland vorgerückt, erklärte Saakaschwili am Abend.

Er sagte im staatlichen Fernsehen, "die Existenz Georgiens" sei durch den Konflikt mit Russland "gefährdet". Die Bombardements der russischen Luftwaffe auf Ziele in Georgien sollten "Panik" verbreiten. Georgien dagegen "will Frieden und sonst nichts."

Erstmals gab es Berichte georgischer Medien, dass nun auch die Hauptstadt Tiflis angegriffen würde. Russische Kampflugzeuge hätten dort einen Militärstützpunkt und eine Radaranlage beschossen. Diese Berichte wies Moskau allerdings zurück. Es seien nichts weiter als eine "Provokation mit dem Ziel, die internationale Gemeinschaft zu täuschen".

Die militärische Konfrontation zwischen Russland und Georgien war auch am Sonntag weiter eskaliert. Die russische Marine versenkte nach offiziellen Angaben ein georgisches Schiff. Wie das Verteidigungsministerium in Moskau mitteilte, handelte es sich um ein Schnellboot, von dem Raketen abgefeuert werden konnten. Die georgischen Seeleute hätten mehrmals angegriffen, "die russische Marine daraufhin das Feuer erwidert", hieß es in einer Erklärung.