Frankreichs Außenminister Bernard Kouchner am Sonntag im georgischen Tiflis, sein Präsident Nicolas Sarkozy am Dienstag in Moskau und Tiflis, die EU-Außenminister zur Sondersitzung heute in Brüssel: Der Friedensplan von Sarkozy wurde von beiden Kriegsparteien zwar akzeptiert, gut so. Und doch trieb der Krieg in Südossetien jedenfalls Risse durchs Haus des Westens, durch die Nato wie durch die Europäische Union.

© ZEIT ONLINE

Gewiss, kein Vergleich mit den Gebäudeschäden, die der Irakkrieg hinterließ. Aber von Geschlossenheit konnte und kann kaum noch die Rede sein.

Erster Beweis: Die EU müsse handeln, denn Amerika sei in gewisser Weise Teil des Konflikts, sagt Kouchner am Wochenende. Doch wie soll die Nato noch agieren, wenn ihr größtes Mitglied unter Verdacht gestellt wird, und das mit einigem Grund, hatte Washington doch die Georgier im Glauben bestärkt, der Westen stünde fest an ihrer Seite?

Zweiter Beleg: Der polnische Präsident Kaczynski erklärt im Chor mit seinen drei baltischen Kollegen, es sei ein schwerer Fehler gewesen, unlängst Georgien nicht ins Beitrittsprogramm der Nato aufgenommen zu haben. Das habe der Gewalt den Boden bereitet. Gescheitert ist die Aufnahme damals am Widerstand von Kanzlerin Angela Merkel und eben Sarkozy: Ihnen erschien eine Nato-Mitgliedschaft Georgiens derzeit zu riskant, solange die Konflikte um Südossetien und Abchasien schwelten.

Jeder der Partner hat seine guten Argumente – und stillen Ängste. Die einen fürchten die Rückkehr des imperialen Russlands, die anderen setzen beim mächtigen Nachbarn auf Wandel durch Annäherung.

Die einen, die ja ihre leidvollen Erfahrungen mit der Sowjetunion gemacht haben, erschrecken beim Gedanken, Moskau könne nach kaukasischem Beispiel künftig auch anderswo seine Russen "schützen", in der Republik Moldau etwa oder in der Ukraine. Die anderen denken eher daran, dass sie Russland geopolitisch nicht nur als Konkurrent behandeln dürfen, sondern eben auch als Partner brauchen werden, etwa zur Lösung der Atomkrise mit Iran.