Nach dreitägigem Blutvergießen mit tausenden Toten, großen Zerstörungen in Südossetien und mit Blick auf die Übermacht des Riesenreichs Russland bot Georgiens Präsident Michail Saakaschwili am Sonntagabend Moskau die Waffenruhe an. "Wir sind Opfer", sagte Saakaschwili. Wegen der Verhandlungsbereitschaft der Georgier gab es erste Signale einer Entspannung. Der französische Präsident Nicolas Sarkozy soll in dem Territorialstreit als EU- Ratspräsident nun vermitteln. Doch der Krieg war damit nicht beendet.

"Die Angst, dass es noch schlimmer wird, ist überall spürbar", sagte die Georgierin Rusudan Tabukaschwili in der Hauptstadt Tiflis, wo 1,1 Millionen Menschen leben. Der Krieg im Norden Georgiens in der kleinen Bergregion Südossetien, um die Moskau und Tiflis streiten, hat sich über die Grenzen der abtrünnigen Konfliktregion ausgeweitet. Die ebenfalls von Georgien abtrünnige Region Abchasien verhängte am Sonntag das Kriegsrecht.

Beobachter sahen weiter die Gefahr, dass es zu einem Flächenbrand im Kaukasus mit seinen vielen Konfliktherden kommt. Der blutige Militärkonflikt hat sich drei Tage nach seinem Beginn zu einer humanitären Katastrophe mit vielen Toten und Verletzten sowie zehntausenden Flüchtlingen ausgeweitet.

Erst hatte Georgien am Freitag eine große Militäroffensive gestartet, nun schlug Russland am Wochenende mit vielfacher Härte zurück. Das Ergebnis waren zerbombte Häuser in Südossetien und Georgien, zerstörte Straßen, Schienen und Telefonnetze. Das russische Staatsfernsehen zeigte bei getragener Musik Bilder voller Verzweiflung, Blut und Schmerz. Das erinnerte die Zuschauer an die Tschetschenien-Feldzüge Russlands in den 1990ern.

Nach diesem lange zurückliegenden Krieg im Nordkaukasus passten diese neuen Bilder so gar nicht zur aktuellen Selbstdarstellung Russlands. Das Riesenreich hat sich dank steigender Rohstoffpreise zu einem reichen und selbstbewussten Land entwickelt, das stolz auf seine Erfolge ist. Russland versuchte zuletzt, sich international als Garant des Friedens darzustellen. Ein Beispiel dafür sind die umstrittenen US-Raketenabwehrpläne in Mitteleuropa, von denen sich Moskau bedroht sieht und zu größeren Rüstungsanstrengungen gedrängt fühlt.

Russland und Georgien haben sich zwar immer wieder besonders wegen ihrer räumlichen Nähe Partnerschaft geschworen. Doch gerade deswegen reagiert Moskau seit langem verärgert auf das Streben von Georgiens prowestlichen Präsidenten Michail Saakaschwili in die NATO. Weil die Ukraine zusammen mit Georgien in die EU und NATO will, fürchtet Russland den Wegbruch alter Allianzen aus den Sowjetzeiten. Moskau warnte immer wieder vor solchen Tendenzen.